So können Sie die Krankenkasse wechseln

Durch die Beitragssatz-Reform galt für gesetzlich Krankenversicherte bis Ende Januar ein Sonderkündigungsrecht. Doch eine schriftliche Kündigung ist zum Ende des Monats immer möglich. Im Gegensatz zum Sonderkündigungsrecht ist dann jedoch die Bindungsfrist von 18 Monaten zu beachten.

Die reguläre Kündigung wird mit Ende des übernächsten Monats wirksam. Das heißt: Wer im Februar kündigt, ist ab 1. Mai bei der neuen Kasse und muss bis dahin noch die alten Beitragssätze zahlen. Die Kassen haben 14 Tage Zeit, die Kündigung zu bestätigen. Damit kann man dann zur neuen Kasse gehen.

Der Wechsel kann sich lohnen: Bei einem Brutto-Einkommen von 30000 Euro sparen Versicherte beim Preis-Primus AOK im Vergleich zum Vorjahr 180 Euro im Jahr/ 15 Euro im Monat. Bei 20000 Euro sind es 120 Euro pro Jahr bzw. 10 Euro im Monat. (st)

Magdeburg (dpa/st) l Die Reform der Beitragssätze hat unter den Krankenversicherungen des Landes den Wettbewerb verschärft. Etliche Versicherte haben seit Beginn des Jahres die Kasse gewechselt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Der Pflichtbeitrag wurde vom Gesetzgeber zum 1. Januar um 0,9 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent des Bruttogehalts gesenkt. Allerdings können die Kassen nun selbst Zusatzbeiträge festlegen - müssen dann aber mit schwindenden Kundenzahlen rechnen. Bei den großen Kassen in Sachsen-Anhalt liegen die Extra-Beiträge zwischen 0,3 und 0,9 Prozent.

Günstiger geworden ist es seit Januar für Mitglieder der IKK gesund Plus, TK und AOK Sachsen-Anhalt. Die AOK Sachsen-Anhalt erhebt einen Zusatzbeitrag von 0,3 Prozent und ist damit eine der günstigsten Kassen bundesweit. "Wir haben viele Wechsel-Anfragen, sogar aus anderen Bundesländern", sagte AOK-Sprecher Andreas Arnsfeld. "Die neue Beitragsregelung hat Schwung in den Krankenkassenmarkt gebracht." Eine Auswertung, wie viele Versicherte bereits zur AOK gewechselt sind, gibt es noch nicht.

Zur IKK gesund Plus in Sachsen-Anhalt sind seit Januar 2000 Versicherte gewechselt, wie Fachbereichsleiter Kay Boje in Magdeburg mitteilte. Der Zusatzbeitrag der Kasse beträgt 0,6 Prozent, insgesamt liegt der Beitrag damit bei 15,2 Prozent. Die Techniker Krankenkasse (TK) verzeichnet seit Ende letzten Jahres einen Zuwachs von 6000 Versicherten in Sachsen-Anhalt. Der Beitragssatz der TK beträgt insgesamt 15,4 Prozent.

Keine großen Wechselbewegungen gibt es bei BKK, Barmer und KKH. Hier zahlen Versicherte seit Januar einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent, wie die Sprecher der Kassen mitteilten. Für die Versicherten verändert sich im Vergleich zum Jahr 2014 in den drei Kassen nichts.

Gesetzlich Versicherte hatten bis Ende Januar ein Sonderkündigungsrecht, wenn die eigene Kasse teurer wird. Der Kassenwechsel ist bei Beachtung der Bindungsfrist jedoch generell jederzeit möglich (siehe Infokasten).

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte zuletzt vor einem vorschnellen Kassenwechsel gewarnt. Eine gute Krankenkasse erkenne man an Leistung und am Preis, sagte Gröhe in Berlin. Sei eine andere Krankenkasse zum Beispiel für Nachfragen schlechter zu erreichen, nütze auch ein besserer Preis nichts.