Bismark l Nachbarn und Freunde legen am Donnerstag Plüschtiere und Blumen an der Haustür des Plattenbaus in Bismark ab. Neben einem Bilderrahmen steht eine Kerze mit der Aufschrift "Geliebt und unvergessen". Am heutigen Freitag bestätigte die Polzei, dass Emily auf der Intensivstation der Universitätsklinik Magdeburg ihren Verletzungen erlegen ist.

Bereits am Montagmorgen war das 18 Monate alte Mädchen mit inneren Verletzungen in das Stendaler Krankenhaus gebracht worden. Diese deuteten auf eine schwere Misshandlung hin. Die Ärzte informierten daraufhin die Kriminalpolizei. In Verdacht geriet die 20-jährige Stiefmutter des Mädchens. Der Vater hat das alleinige Sorgerecht und war zur Tatzeit nicht zu Hause. Weil sich im Krankenhaus Stendal der Zustand des Kindes weiter verschlimmerte, wurde es noch am Montag nach Magdeburg geflogen.

Nach Volksstimme-Informationen ist die 20-Jährige selbst schwanger. Die Familie wurde im Rahmen der sozialpädagogischen Familienhilfe bereits seit März vergangenen Jahres zweimal wöchentlich betreut. Der Landkreis wolle sich nach Angaben der Sprecherin Angela Vogel wegen der laufenden Ermittlungen aber nicht weiter äußern.

Häufigste Ursache ist Überforderung der Eltern

In Sachsen-Anhalt gab es nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) im vergangenen Jahr mehr als 200 Fälle von Misshandlungen von Schutzbefohlenen. Vier Kinder wurden dabei getötet. LKA-Sprecher Andreas von Koß: "Frauen und Männer sind an diesen Straftaten gleichermaßen beteiligt." Fast alle angezeigten Delikte werden aufgeklärt.

Den Jugendämtern im Land sind im Jahr 2013 etwa 2500 Gefährdungen von Kindern gemeldet worden. In rund 700 Fällen lag diese auch tatsächlich in akuter und dauerhafter Form vor.

"Die häufigste Ursache von Vernachlässigungen oder Misshandlungen ist eine Überforderung der Eltern", sagt Siegfried Hutsch, Experte der Jugendhilfe beim Paritätischen Sachsen-Anhalt.

Drohende Gefahr für ein Kind zu erkennen, sei für Nachbarn und Verwandte mitunter schwer, sagt die Psychologin und Rechtsanwältin Annegret Wiese in München. Wenn aber Kindergeschrei zu hören und Stressbelastung bei den Eltern zu erkennen sei, sollten besorgte Nachbarn keinesfalls die Eltern noch stärker unter Druck setzen. Besser sei es, sie vom Druck zu befreien und ihnen Hilfe anzubieten, zum Beispiel auf die Kinder aufzupassen.

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