Mehr Fotos gibt es im Internet unter www.volksstimme.de/luchsprojekt


Luchs soll in andere Mittelgebirge abwandern

Anfang 2000 wurde auf Initiative Niedersachsens in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge mit der Wiederansiedlung des Luchses begonnen. Seitdem ist Europas größte Katze wieder im Harz heimisch. Niemand weiß jedoch genau, wie viele der scheuen Tiere im Harz leben. Experten versuchen jedes Jahr, ihrer Zahl anhand von Spuren, Rissfunden oder Zufallsbeobachtungen näher zu kommen.

Wer im Harz unterwegs ist und einen Luchs gesehen hat, kann dies per Internet melden. Auch die Zahl der in Freiheit geborenen Jungtiere ist nicht genau bekannt. Am Projekt sind auch Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligt. Mit dem Beginn vor 15 Jahren errichtete die Nationalparkverwaltung Harz ein Auswilderungs- und ein Schaugehege bei Bad Harzburg.

Das Auswilderungsgehege wird nun Stück für Stück zurückgebaut. Langfristig soll der Luchs vom Harz aus auch in andere Mittelgebirge abwandern, etwa in den Bayerischen Wald. (dpa)

Wernigerode (dpa/st) l Erstmals in der 15-jährigen Geschichte des Harzer Luchs-Projektes wollen Experten die Zahl der Tiere mit Hilfe eines groß angelegten Fotofallen-Monitorings bestimmen. Das im September 2014 gestartete Projekt sei jetzt zu Ende gegangen, sagte sein Leiter Ole Anders von der Nationalparkverwaltung Harz der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Alle Kameras sind wieder im Schrank."

120 selbstauslösende sogenannte Fotofallen waren auf einem rund 800 Quadratkilometer großen Areal in dem länderübergreifenden Großschutzgebiet installiert. Die Auswertung der Bilder werde etwa bis April dauern, hieß es.

Wie viele Luchse im Harz leben, ist unklar. Nicht einmal gute Schätzungen seien möglich. "Darum haben wir uns für dieses aufwendige, aber lohnenswerte Monitoring mit Kameras entschieden", sagte der Projektleiter. "Wir wollen endlich nicht mehr im Nebel stochern und eine fundierte Datengrundlage schaffen." Man könne die Luchse eben nicht zum Durchzählen antreten lassen.

Luchsbilder werden miteinander abgeglichen

Die Kameras hätten 4333 Tierbilder aufgenommen; auf 268 seien Luchse zu sehen. "Eine sehr gute Ausbeute", stellte Anders fest. "Wir müssen nun jedes einzelne Luchsbild mit allen anderen abgleichen, um dann aus dem Ergebnis eine statistisch abgesicherte Luchsdichte errechnen zu können."

Den Forschern kommt dabei zugute, dass Luchse eine einzigartige Fleckenzeichnung besitzen. Es habe auch viele lustige Schnappschüsse mit Füchsen, Hirschen oder Wildschweinen gegeben. Etwa 240 mal seien Wildkatzen in die Fotofalle getappt. Die Kameras waren in einer Höhe von etwa 60 Zentimetern an Bäumen angebracht - immer zwei pro Standort.

Sobald ein Tier im Nationalpark Harz vor die Linse trat, wurde durch einen Bewegungsmelder der Auslöser betätigt und ein Foto gemacht. Zur Auswertung der Bilder soll auch eine Luchs-Expertin aus dem Bayerischen Wald hinzugezogen werden, wo es ebenfalls eine kleine Luchs-Population gibt. Anders: "Wir wollen zwei unabhängige Sichtungen des Materials."

 

Bilder

Achtung, Kamera!

Beim Luchs-Projekt im Nationalpark Harz wurden auch ein paar andere Tiere abgelichtet. Fotos: Nationalpark Harz