Quedlinburg/Bad Suderode l Die Stadt Quedlinburg unternimmt den dritten Anlauf, um das seit gut anderthalb Jahren geschlossene Kurzentrum im Ortsteil Bad Suderode zu veräußern. Am Freitag informierte die Stadt über das eröffnete "bedingungsfreie Verfahren", bei dem Interessenten bis zum 20. April Angebote abgeben können. Entscheidender Unterschied zu den beiden bisherigen Versuchen: Die Stadt rückt von der zwingenden Vorgabe der gesundheitstouristischen Nutzung der Anlage ab.

Ein Zugeständnis, mit dem die Stadt einerseits eigene Gestaltungsspielräume aufgibt. Andererseits sieht Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) mit dem Wegfall der Klausel die Chance, Interessenten für das Kurzentrum zu finden. Jede anderweitige Nutzung sei unterm Strich besser als ein geschlossenes Haus, so der SPD-Politiker zur Volksstimme.

Beim jetzigen Bieterverfahren werden Käufer hinsichtlich der Nutzung des 1996 eröffneten Hauses nur vom Bauordnungrecht und den kommunalen Planungsvorgaben eingeschränkt. Und die Kommune, die Ausschreibungsdetails auf ihrer Internetseite präsentiert, steckt beim Kaufpreis eine Wunschmarke ab: 175 000 Euro sollten nicht unterschritten werden.

Ob diese Marke den Verkehrswert widerspiegelt, ist offen. Vize-OB Wolfgang Scheller ließ diese Frage unbeantwortet. Er sprach aber davon, dass es nach dem Scheitern des zweiten Verkaufsversuchs aktuell "mehrere Interessenten gibt", die teilweise bereits von den beiden Verfahren bekannt seien. Eine Zahl nannte er nicht.

Streit mit Ex-Käufer noch vor Gericht anhängig

Die Stadt und die vorübergehend wieder eigenständige Gemeinde Bad Suderode suchen seit 2013 einen Interessenten für die Immobile samt Kurhaus und Parkhaus. Ein Käufer, der beim ersten Anlauf den Zuschlag bekommen hatte, zahlte den Kaufpreis nie. Nachdem die Stadt vom Vertrag zurückgetreten war, verklagte er die Kommune. Das Verfahren liegt beim Landgericht und wird frühestens Ende Mai verhandelt. Beim zweiten Anlauf, der im Herbst 2014 gestartet worden war, blieb lediglich ein Bieter übrig, dieser zog sein Angebot Ende Januar zurück.

Damit ist das Haus weiter ein finanzieller Klotz für die Welterbestadt Quedlinburg. 1996 eröffnet, wurde mit dem Kurzentrum nie Gewinn gemacht. Das Land schoss über Jahre viele Millionen Euro zu, um die Defizite auszugleichen. Nach einer Intervention des Landesrechnungshofes muss nun die Stadt selbst mit den Kosten klarkommen. OB Brecht, der Ende Juni in den Ruhestand geht und einen Verkauf bis zum 30. Juni anstrebt, hatte die Gesamtsumme der staatlichen Zuschüsse seit 1996 zuletzt mit knapp 20 Millionen Euro angegeben.