Das gilt heute

Im Krankheitsfall muss der Beschäftigte seinen Arbeitgeber unverzüglich, also zu Beginn des ersten Fehltages, informieren (per Telefon, Fax oder E-Mail).

Spätestens ab dem vierten Tag muss dem Arbeitgeber grundsätzlich eine Krankschreibung vorliegen. Der Arbeitgeber kann jedoch auch ein Attest ab dem ersten Tag verlangen. Details sind schriftlich zu regeln (Arbeitsvertrag).

Magdeburg l Die Deutschen sind Spitzenreiter in Europa: Statistisch gesehen geht jeder 17 Mal pro Jahr zum Arzt. Trotzdem ist das Volk nicht gesünder als andere Westeuropäer. In Norwegen dagegen sind es nur fünf Arztbesuche pro Kopf. Forscher der Uni Magdeburg haben drei Jahre lang untersucht, warum das so ist. Eine Erkenntnis: Krankschreibungen spielen in Deutschland eine wesentlich wichtigere Rolle als in Norwegen.

Die Mediziner fordern deshalb, dass die Regeln für Krankschreibungen gelockert werden. "Jeder Beschäftigte sollte sich bis zu einer Woche selbst krankmelden können", sagte Wolfram Herrmann, Leiter der Forschergruppe, der Volksstimme.

Vorbild ist das norwegische Modell: Dort können Beschäftigte grundsätzlich drei Tage am Stück ohne Attest zu Hause bleiben, der Großteil der Unternehmen gewährt sogar acht Tage (maximal 24 Tage pro Jahr). "Der Krankenstand hat sich dadurch nicht erhöht - im Gegenteil: Er ist sogar leicht gesunken", so Herrmann.

Sachsen-Anhalts Hausärzte begrüßen den Vorstoß. "Über diese Entlastung wären wir froh", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Stefan Andrusch. "Viele Patienten mit leichten Erkrankungen sitzen nur wegen des Krankenscheins in der Praxis. In diesen Fällen wären Eigenmeldungen sinnvoll", so Andrusch. Sieben Tage hält der Arzt jedoch für zu viel, drei würden seiner Meinung nach ausreichen.

Die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt lehnen die Überlegungen komplett ab. "Die bestehende Regelung hat sich bewährt", erklärte ein Sprecher. Das sieht auch die Bundesregierung so. Ein Sprecher des zuständigen Arbeitsministeriums sagte, man halte die Regelung "wie sie ist, für sinnvoll und nützlich".

Auch die Krankenkassen sind dagegen. "Es hat schon seinen Sinn, dass zur Abklärung von gesundheitlichen Beschwerden zügig der medizinische Sachverstand zum Zuge kommt", sagte Klaus Holst vom Verband der Ersatzkassen. Die Berechtigung von Fehlzeiten, für die der Arbeitgeber oder die Krankenversicherung finanziell aufkommen müssten, solle ein Arzt feststellen, so Holst.

Wolfram Herrmann von der Uni Magdeburg findet diese Skepsis schade: "Die Erfahrungen der Norweger sind eindeutig positiv. Wir sollten den Mut haben, das auch in Deutschland zu versuchen."

Die Studie wird am heutigen Dienstag ab 18 Uhr am Uniklinikum (Leipziger Straße 44) präsentiert: Institut für Allgemeinmedizin, Haus 18, Raum 220.