Wolmirstedt l Blutüberströmt und mit letzter Kraft klettert der 26-jährige Benjamin W. am 5. September vergangenen Jahres über das Tor einer Gartenanlage in Wolmirstedt. Dort bricht er schwer verletzt zusammen, bis ihn ein Autofahrer am Straßenrand findet. Er informiert Polizei und Rettungsdienst. Der junge Mann überlebt. Seine Peiniger stehen seit Donnerstag wegen versuchten Mordes vor dem Magdeburger Landgericht.

Das Opfer erzählt, was sich in jener Nacht abgespielt haben soll: Am Abend des 4. September trifft sich Benjamin W. mit ein paar Bekannten am Zentralen Platz der Bördestadt. In der Runde wird reichlich Alkohol getrunken.

Angeklagte sollen Handy und Geld geraubt haben

Dazu gesellen sich auch die Angeklagten Aleksander B. (31) und Ivan B. (33). Die beiden einschlägig vorbestraften Männer geraten mit einem der Trink-Kumpanen, der nur als "Nase" bekannt ist, in Streit. Danach verschwinden am Abend nach und nach die Teilnehmer jener "Zusammenkunft". Am Ende bleiben nur die beiden Angeklagten und das spätere Opfer übrig.

Die drei gehen etwa gegen Mitternacht zu einer Tankstelle ganz in der Nähe und decken sich mit Pizza, Bier sowie mehreren Flaschen Wodka ein. Die Brüder zahlen alles, was später im Prozess auch der Angestellte aus einer Tankstelle bestätigt. Dann ziehen sie weiter in eine in der Nähe befindlichen Gartensparte und feiern in einer Laube weiter. Die Stimmung soll zunächst ausgelassen sein, kippt aber, als der Wodka alle ist.

Plötzlich erhält Benjamin W. mehrere Schläge ins Gesicht. Er wird getreten, ein Stuhl landet an seinem Kopf. Immer wieder. Einer der beiden Angeklagten soll eine Zigarette auf seinem Arm ausgedrückt haben. Dann spürt er, wie zwei Hände ihn am Hals packen und zudrücken. Der Wolmirstedter verliert das Bewusstsein.

Oberstaatsanwältin Martina Klein vermutet, dass die beiden Angreifer davon ausgingen, dass der 26-Jährige zu diesem Zeitpunkt tot ist und sie deshalb von ihrem Opfer abließen. Laut Anklage sollen sie dem jungen Mann ein Handy und die Geldbörse abgenommen haben. Auch eine Armbanduhr sei verschwunden. Für die Oberstaatsanwältin steht fest, dass sie den Wolmirstedter ausrauben wollten. Damit seien zumindest die Mordmerkmale Habgier und das Ermöglichen einer anderen Straftat erfüllt.

Die Angeklagten wollten sich zum Prozessauftakt nicht äußern, entschuldigten sich aber beim Opfer. "Wir waren alle betrunken", meinte Aleksander B. Auch Drogen sollen eine Rolle gespielt haben. Der Prozess wird nächste Woche Dienstag und Freitag fortgesetzt. Die beiden Angeklagten befinden sich seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft.