Magdeburg l Sachsen-Anhalt zählt zu den drei Bundesländern, in denen die Armutsquote zwischen 2012 und 2013 leicht zurückgegangen ist. Einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zufolge sank die Quote fürs Land um 0,2 Punkte auf 20,9 Prozent. Damit lebten rund 468.000 der 2,2 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze.

Besonders viele Menschen mit geringem Einkommen wohnen in der Altmark. Für die Region weist die Studie eine Quote von 27,4 Prozent aus. Fast jeder Dritte dort gilt also als arm. Im Kreis Anhalt-Bitterfeld verdienen die Menschen mehr Geld, hier beträgt die Quote nur 18,7 Prozent. Im Landesdurchschnitt liegen die Großstädte Magdeburg und Halle.

Als besonders von Armut gefährdet gelten Alleinerziehende und Erwerbslose. Fast jeder zweite Alleinerziehende muss mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze auskommen, bei den Erwerbslosen liegt die Quote bei 60 Prozent. Seit 2006 hat laut dem Paritätischen auch die Altersarmut stark zugenommen, die Armutsquote bei Rentnern wuchs viermal so stark und liegt nun bei 15,2 Prozent. In Sachsen-Anhalt sind allerdings weniger Kinder von Armut bedroht. Zwischen 2009 und 2014 ist die Zahl der unter 15-Jährigen, die staatliche Grundsicherung erhielten, von 72000 auf 66000 gesunken. Der Rückgang betrug 8,4 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit in Halle weiter mitteilte.

Doch so positiv mancher Trend wirkt, Sachsen-Anhalt steht im Bundesvergleich nach wie vor schlecht da. Die Armutsquote im Land fällt mit 20,9 Prozent höher aus als die Bundesquote von 15,5 Prozent. Trotz sinkender Tendenz liegt auch die Quote von Kindern, die von Hartz IV abhängig sind, mit 26 Prozent noch immer weit über dem Bundesdurchschnitt von 15,3 Prozent.

Aus der Studie des Paritätischen geht darüber hinaus hervor, dass die Ungleichheit in Deutschland wächst. 12,5 Millionen Menschen gelten mittlerweile als arm - so viele wie nie seit der Wiedervereinigung. "Noch nie war die Armut so hoch und noch nie war die regionale Zerrissenheit so tief wie heute, sagte der Hauptgeschäftsführer des Sozialverbands, Ulrich Schneider.

Zu den Problemregionen würden das Ruhrgebiet und der Großraum Köln in Nordrhein-Westfalen sowie Bremen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zählen. Der Abstand zwischen den am wenigsten und den am meisten von Armut betroffenen Regionen sei um sieben Prozentpunkte gewachsen, von 17,8 im Jahr 2006 auf nunmehr 24,8. Vor diesem Hintergrund bekräftigte der Paritätische seine Forderungen nach höheren Hartz-IV-Regelsätzen, der Einführung einer Altersgrundsicherung und der stärkeren Besteuerung von Reichen.

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