Das Kino-Jahr 2014
In Sachsen-Anhalt gibt es aktuell 23 Kinos (2013 24 Kinos). Der durchschnittliche Eintrittspreis war 2014 im Bundesvergleich (8,05 Euro) mit 7,64 Euro eher niedrig. 1,17 Kinobesuche wurde pro Einwohner gezählt. Der Kinoumsatz lag in Sachsen-Anhalt mit 20,1 Mio. Euro im niedrigen mittleren Bereich.
2014 wurden bundesweit 121,7 Millionen Kinotickets verkauft. Das waren 6,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Anteil deutscher Filme stieg auf 26,7 Prozent (2013 26,2 Prozent). Von 570 Filmen kamen 229 aus Deutschland. 32,1 Millionen Besucher sahen einheimische Produktionen - allen voran "Der Medicus", "Vaterfreuden" und "Honig im Kopf".
62,6 Prozent der Kinokarten wurden für US-Produktionen verkauft. Die Gewinner 2014 an der Kinokasse waren "Der Hobbit: Die Schlacht um die fünf Heere" (4,7 Mio. Besucher), "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1" (4,4 Mio.) und "Monsieur Claude und seine Töchter" (3,1 Mio.) Quelle: FFA/Berlin

Magdeburg l Von einem Kinosterben kann in Sachsen-Anhalt keine Rede sein. Nach den jüngst vorgelegten Zahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin gibt es mit aktuell 23 Kinos im Land nur eines weniger als 2013. Im Vergleich zu den anderen deutschen Flächenländern weist allerdings nur das Saarland weniger Spielstätten auf.

Hat das Land zu wenig Kino-Standorte? "Das glaube ich nicht", findet Ines Voigt, Leiterin des Uppstall-Kinos in Stendal. "In der Altmark gehen die Leute bei uns oder in Salzwedel ins Kino. Sie können aber auch knapp über die Landesgrenze nach Rathenow oder Wolfsburg. Das reicht eigentlich", findet sie. Ohnehin seien die Kinogänger heute sehr mobil und fahren auch nach Magdeburg. In dem Stendaler Vier-Säle-Kino (158 Plätze) laufen neben den großen Hollywoodfilmen auch ältere Streifen und spezielle Familienprogramme. Die Resonanz sei gut, demnächst soll ein Saal komplett erneuert werden und neue Logenplätze erhalten.

Vergleichsweise niedrige Eintrittspreise


Mit einem durchschnittlichen Eintrittspreis von 7,64 Euro in Sachsen-Anhalt liegen die Kinos knapp einen halben Euro unter dem Bundesdurchschnitt (8,05 Euro). Nur im Saarland und in Sachsen ist der Kinobesuch preiswerter. Hierzulande liegen vor allem die kleineren Programmkinos häufig 20 bis 30 Prozent unter den Preisen der großen Multiplexkinos in Magdeburg und Halle. "Die großen Blockbuster laufen bei uns zwar zwei, drei Wochen nach dem Bundesstart. Aber das ist den Besuchern bei uns nicht so wichtig", erzählt Emanuel Conrady, Kinoleiter im "Burg-Theater" von Burg.

Das ehrwürdige Ein-Saal-Haus aus den 1960er Jahren im Stadtzentrum wurde vor fünf Jahren vom Verein "Weitblick" vor der Schließung bewahrt. Mit viel Eigeninitiative und finanzieller Unterstützung durch Fördermittelgeber gelang eine erste Modernisierung und ein Filmspielbetrieb, den die Filmfreunde in Burg und Umgebung offenbar annehmen. Conrady: "Wir haben uns von 2013 auf 2014 von 9000 auf 13000 Besucher gesteigert. Und in den ersten zwei Monaten 2015 kommen wir schon auf 4000 Besucher."

Das Kino verfügt nur über einen Saal (154 Plätze), der hat aber einen herrlich altmodischen Wandbehang, 60er-Jahre-Lampen und eine Kinobar (37 Plätze) mit gesponserten Sesseln. Das "Burg-Theater" bringt ein eigenes "Polylux"-Magazin heraus und sieht sich mehr als ein Kulturzentrum mit Barbetrieb. "Die Gäste sollen nicht nur Filme gucken, sondern hier länger verweilen können", erzählt Conrady. Seine Erfahrung sei: Wer einmal kommt, komme häufiger.

Schon ein bisschen kinofaul


Ein bisschen kinofaul sind die Sachsen-Anhalt aber offenbar schon. Mit nur 1,17 Kinobesuchen pro Einwohner kam das Land 2014 im Bundesvergleich (1,51 Besuche) auf einen vergleichsweise niedrigen Wert. Nur in Thüringen und Brandenburg gingen die Einwohner im Vorjahr noch seltener ins Kino. Auch beim erwirtschafteten Umsatz landeten die Kinos von Sachsen-Anhalt nur im hinteren Mittelfeld.

"Das Kinojahr war schon ziemlich durchwachsen", bestätigt Nancy Fehse, Kinoleiterin vom Magdeburger Cinemaxx-Multiplexkino (neun Säle, 2700 Plätze). Nach den guten "Hobbit"-Umsätzen im Frühjahr kam ein Sommerloch. "Schuld war die Fußball-Weltmeisterschaft", erzählt sie.

Das Publikum habe sich gewandelt. "Die sehr jungen Leute, die oft ins Kino gehen, gibt es immer weniger. Kino ist heute mehr ein besonderer Event. Besucher im Alter von 30 bis 35 Jahren rücken immer mehr in den Mittelpunkt". Und sorgen für neue Arten von Veranstaltungen. Zwei Beispiele: Am Donnerstag gibt es im Cinemaxx eine Dokumentation über die Backstreet Boys mit anschließender Liveübertragung eines Konzertes aus London. Am 14. März überträgt das Kino die Rossini-Oper "La Donna del Lago" live aus der New York Metropolitan Opera.

Aber Filme gibt es natürlich auch. Nancy Fehse freut sich: "2015 wird ein Jahr mit gleich mehreren Blockbustern, die große Publikumsmengen anlocken werden." Als da wären: Der neue "Bond", der neue "Star Wars", der neue "Avengers" und der neue "Fack ju Göhte".

Und sicher gibt es bald auch noch einen neuen "Fifty Shades of Grey". Der aktuelle Sado-Maso-Erotik-Streifen sorgt für große Frauenansammlungen in durchweg allen Kinos. Welche Altersgruppe? "Von 20 bis 50 - alles dabei." Und finden die Damen ihn fesselnd, den Film? "Doch, schon." Die Jungen schwärmen "echt cool", die Älteren sagen "nischt Neues", erzählt Nancy Fehse. Und schmunzelt.