Düsseldorf/Magdeburg (dpa/vs) l Viel Aktenkundiges gibt es nicht über V-Mann "Corelli". So mysteriös seine Tätigkeit für den Verfassungsschutz bleibt, so rätselhaft wirkt auch der Tod des aus Sachsen-Anhalt stammenden 39-jährigen Ex-Neonazis: Einen Zuckerschock infolge unerkannter Diabetes-Krankheit stellten Gutachter fest. Ein Bericht des NRW-Justizministers Thomas Kutschaty (SPD) für den Rechtsausschuss des Landtags verrät aber einige Details über Thomas R., der den Namen eines Barock-Komponisten als Tarnung nutzte. Seit den 1990er Jahren soll "Corelli" für den Verfassungsschutz die rechtsextreme Szene bespitzelt haben. Aus anderen Quellen wurde kolportiert, "Corelli" habe auch gute Kontakte zum Terror-Trio "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) gehabt. In Sachsen-Anhalt hinterließ der Mann Spuren in rechtsextremistischen Kameradschaften und Publikationen.

Zur Jahrtausendwende soll R. - Spitzname "HJ Tommy" - führender Kopf der Gruppe Nationaler Widerstand Halle gewesen sein, füllte Zeitungen und das Internet mit rechter Hetze. Unbestätigten Berichten zufolge soll das Bundesamt für Verfassungsschutz "Corelli" rund 180000 Euro für seine Tätigkeit gezahlt haben. Nach seiner Enttarnung kam "Corelli" im September 2012 in ein Zeugenschutzprogramm. Unter neuer Identität lebte er mit seiner Mutter in einem Paderborner Mehrfamilienhaus. Regelmäßigen Kontakt zum Verfassungsschutz unterhielt er offenbar weiterhin. Zwei Mitarbeiter der Behörde suchten ihn jedenfalls am 7. April vergangenen Jahres zu Hause auf, weil sie seit Tagen nichts von ihm gehört hatten. Sein Vermieter öffnete die Tür und fand "Corelli" tot auf dem Bett. Die Polizei fand keine Hinweise auf Fremdverschulden. Die Staatsanwaltschaft Paderborn ordnete dennoch die Obduktion an.

Rechtsmediziner der Universität Münster führten den Tod auf ein tödliches diabetisches Koma zurück - eine unerkannte Zuckerkrankheit. Weitere Expertisen sicherten das Gutachten ab, alle mit dem gleichen Ergebnis. Zu den typischen Diabetes-Symptomen wie vermehrtem Durst, allgemeiner Übelkeit und Verwirrtheit passten die Bilder aus der Wohnung des zurückgezogen lebenden Toten: ein Mittel gegen Brechreiz lag dort ebenso wie Wasserflaschen neben seinem Bett. Die Einsamkeit des enttarnten Ex-Spitzels wurde am Ende sein Fluch. Die Staatsanwaltschaft will Legendenbildungen ausschließen: Die Leichenteile werden 30 Jahre aufbewahrt.