Diese Fragen stellt die Kirche - drei Beispiele
Frage 29:
"Wie stellt die Katechese im Zusammenhang mit der christlichen Initiation die Offenheit für die Berufung und Sendung der Familie dar? (...)Wie kann der Zusammenhang zwischen Taufe - Eucharistie und Ehe dargestellt werden? In welcher Weise kann der katechumenale und mystagogische Charakter hervorgehoben werden, den die Wege der Ehevorbereitung oft haben müssen? (...)"

Frage 36: "Was kann getan werden, um auf der Ebene der Ortskirche gemeinsame pastorale Richtlinien zu fördern? Wie kann der diesbezügliche Dialog unter den verschiedenen Teilkirchen "cum Petro e sub Petro" gefördert werden?"

Frage 38: "Die Sakramentenpastoral im Hinblick auf die wiederverheiratet Geschiedenen bedarf einer weiteren Vertiefung, bei der auch die Praxis der orthodoxen Kirche bedacht werden sowie "die Unterscheidung zwischen einem objektiven Zustand der Sünde und mildernden Umständen" gegenwärtig gehalten werden soll. Innerhalb welcher Perspektive kann man sich hier bewegen? (...)"

Der vollständige Fragebogen findet sich auf der Seite des Bistums Magdeburg: http://www.bistum-magdeburg.de/front_content.php?idart=24825

Magdeburg l Zusammen mit den Bischöfen und Kardinälen will Franziskus im Herbst beraten, wie sich die katholische Kirche zum Thema Familie positionieren soll. Es geht um den Umgang mit gescheiterten Ehen, um Verhütung, um Schwule. Anders als früher darf jetzt auch die Basis ihre Meinung sagen: Ein Katalog des Vatikan mit 47 Fragen richtet sich ausdrücklich auch an die einfachen Gläubigen.

Viele Antworten werden in Rom allerdings kaum eintrudeln. Grund: Der Fragebogen ist für Nicht-Theologen kaum verständlich. Die Formulierungen sind abstrakt, setzen viel Wissen über Feinheiten der katholischen Lehre voraus und wimmeln von Fremdwörtern. Dem Bistum Magdeburg schwante schon zu Beginn, dass viele Christen das Papier schnell beiseite legen werden. Man müsse ja nicht jede Frage beantworten, heißt es vorsorglich in einer E-Mail.

"Sehr kompliziert" findet Katrin Winkler-Hindricks die Fragen. Die Katholikin aus Bernburg ist in ihrer Gemeinde eine der wenigen, die sich die Vatikan-Fragen überhaupt vorgenommen hat. Zumindest zu einigen Themen, die ihr wichtig sind, will sie ihre Meinung aufschreiben. Anders als es die offizielle Kirchenlehre festlegt, glaubt sie zum Beispiel nicht, dass es eine Sünde ist, wenn Schwule ihre Sexualität ausleben.

Auch auf Geschiedene sollte die Kirche zugehen, wünscht sich Winkler-Hindricks. Sie redet da auch über sich: Sie ist geschieden und wiederverheiratet. Für den Vatikan ist das Sünde, nach den Vorgaben aus Rom ist sie vom Abendmahl ausgeschlossen. Auch für den Pfarrgemeinderat darf sie nicht kandidieren. Um die engagierte Frau dennoch einzubinden, hat der Pfarrer sie als berufenes Mitglied hinzugezogen.

Auch wenn sich Winkler-Hindricks Reformen wünscht: Eine weichgespülte Theologie lehnt sie ab. "Wenn sich die Kirche in 2000 Jahren an jeden Zeitgeist angepasst hätte, hätte sie viele Werte verloren. Dann hätte sich das Recht des Stärkeren durchgesetzt."

Ende der vergangenen Woche lief die Frist ab, in der ausgefüllte Fragebögen beim Bischöflichen Ordinariat in Magdeburg eingehen sollten. Die Bilanz: Bei 86000 Gläubigen im Bistum gab es kaum ein Dutzend Beiträge. "Die Fragen sind tatsächlich nicht so leicht verständlich", räumt Friederike Maier ein, Abteilungsleiterin für Seelsorge. Bis Mitte der Woche hat sie den Abgabeschluss nun verlängert.

Selbst wichtige Verbände verzichten auf eine eigene Stellungnahme. "Da müsste man die Fragen ja erst mal übersetzen", sagt Matthias Ulrich von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Passiv bleibt auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Dass die Kirchenspitze überhaupt nachfragt, findet die Vertretung von 13000 Kindern und Jugendlichen im Bistum aber großartig. "Das ist ein Signal des Papstes, das zeigt: Wir haben die Weisheit nicht für uns, ihr Gläubigen seid auch Experten", frohlockt Diözesanpräses Christoph Tekaath.

Deutlich nüchterner sieht es die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg. "Diese Fragen gehen an der Lebensrealität der Jugendlichen vorbei, das kümmert die meisten einfach nicht", urteilt Jan Sommer, als Referent zuständig für Sachsen-Anhalt.

Die bundesweit aktive Bewegung "Wir sind Kirche" wirft den Bischöfen vor, sie vernachlässige die Lebenswirklichkeit der deutschen Katholiken. Die Fragen, vermuten die Kirchenkritiker, seien absichtlich verklausuliert gefasst worden: "Das legt dem einfachen Kirchenmitglied nahe, es falle gar nicht in seine Kompetenz, sich mit ihnen zu befassen."