Magdeburg l Autobahnplaner aus Sachsen-Anhalt und vom Bund haben sich mit der Europäischen Kommission in Brüssel darauf verständigt, wie es mit der Planung der Autobahn A143 weitergeht. Sie sind jetzt gefordert, eine Alternativroute präzise zu prüfen. "Darauf legt die EU großen Wert", sagte Sachsen-Anhalts oberster Straßenplaner Jörg Przesang am Donnerstag der Volksstimme. Die Gespräche bei der EU-Generaldirektion Umwelt dauerten bis zum späten Mittwochabend. Beim Bau der A143 hat ausnahmsweise die EU ein wichtiges Wort mitzureden. Das fehlende, zwölf Kilometer kurze Stück bei Halle quert nämlich ein europäisches FFH-Schutzgebiet. Die Porphyrkuppenlandschaft und eine dort wachsende Orchidee (Kleines Knabenkraut) gelten als besonders gefährdet.

Eigentlich sollte das wichtige Verbindungsstück zwischen A14 und A38 längst fertig sein, doch die Planer unterlagen 2007 vor Gericht. Geklagt hatte der Nabu. 2012 schickte die EU eine Aufgabenliste, die nun abgearbeitet wird. Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium schätzt, dass im besten Fall die EU 2016 grünes Licht gibt und dann das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen wird. Kommt keine erneute Klage, könnte 2017 gebaut werden, sagt Staatssekretär Klaus Klang (CDU). "Auch wenn alles viel Zeit kostet - wir müssen gründlich sein." Ab 2020 könnte der Verkehr endlich rollen und Halle sowie das viel befahrene Schkeuditzer Kreuz entlasten. Die A143 verkürzt den Weg um gut 50 Kilometer und vereinfacht die Fahrt in Richtung Thüringen, Hessen und Bayern.

Erste Untersuchungen ergaben, dass die Alternativroute - die noch weiter westlich von Halle entfernt verläuft - wirtschaftlich ungünstiger ist. Sie ist fast zehn Kilometer länger und käme 175 Millionen Euro teurer als die von den Planern vorgeschlagene Trasse, die mit 240 Millionen Euro ohnehin schon sehr kostspielig ist. Außerdem werden geringere Effekte erwartet: Während für die Plan-Variante täglich 43500 Autos und Laster vorausberechnet wurden, seien es bei der Ausweichroute 4000 bis 6000 Fahrzeuge weniger, sagte Przesang.

Die EU verlangt aber zudem eine noch weitergehende ökologische Abwägung zwischen beiden Varianten. Die Plan-Trasse durchschneidet das FFH-Schutzgebiet. Allerdings ist eine 250 Meter lange Landschaftsbrücke geplant, auf deren Dach ein Teil der Porphyrkuppenlandschaft nachgebildet wird. Die Ausweich-Trasse umkurvt das streng geschützte FFH-Areal. Allerdings wären dort die ökologisch ebenfalls wichtigen Salzwiesen betroffen. "Erhebliche Beeinträchtigungen sind auch dort nicht ausgeschlossen", meint Przesang. Aber das müssen die Planer hieb- und stichfest darlegen. Bis Ende des Jahres sollen alle Unterlagen in Brüssel vorliegen.