In Bremen ist es schon möglich
Grundsätzlich darf die Asche von Toten nicht mit nach Hause genommen werden. Urnen müssen auf Friedhöfen oder anderen Flächen wie Friedwäldern beigesetzt werden. Bestattungsrecht ist in Deutschland Sache der Länder. Bremen hat zum 1. Januar 2015 als erstes Bundesland die Regeln gelockert. Auf privaten Grundstücken darf die Asche verteilt werden. Verboten bleibt das Vergraben von Urnen.

Für Seebestattungen gibt es in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Ausnahmeregelungen.

Magdeburg l Zehn Prozent der Deutschen möchten ihre letzte Ruhe zu Hause oder im eigenen Garten finden - das hat eine Emnid-Umfrage ergeben. Die Zahl derer, die nicht auf einem Friedhof beerdigt werden wollen, wächst laut Meinungsforschern stetig.

Die Landtagsfraktionen der Grünen und der Linken planen deshalb eine Reform des Bestattungsgesetzes. Zukünftig soll es erlaubt sein, die Urne mit der Asche des Verstorbenen zu Hause aufzubewahren oder die Asche auf dem eigenen Grundstück zu verstreuen. Bislang sind Urnenbestattungen außerhalb von Friedhöfen nur in Friedwäldern oder auf See möglich.

"Der Friedhofszwang ist nicht mehr zeitgemäß", sagte Cornelia Lüddemann (Grüne) der Volksstimme. Ähnlich sieht das Eva von Angern (Linke): "Es geht nicht darum, Friedhöfe abzuschaffen. Aber wir wollen zusätzliche Angebote ermöglichen."

Evangelische Kirche lehnt Reform ab
Bereits vor zehn Jahren hat es in Sachsen-Anhalt den Versuch gegeben, das Bestattungsgesetz zu liberalisieren. Der damalige Sozialminister Gerry Kley (FDP) hatte im Jahr 2005 ähnliche Vorschläge unterbreitet, war jedoch am Veto der Christdemokraten gescheitert.

Die CDU lehnt solche Vorstöße auch heute ab. "Wir warnen davor, den Friedhofszwang aufzuheben. Die Verstreuung der Asche sehen wir sehr kritisch", erklärte Jürgen Scharf. "Wie sollen Ordnungsämter da die Totenruhe garantieren? Was passiert bei einem Umzug? Was bei einem Verkauf des Grundstücks? Ein solches Gesetz ist Unsinn", sagte er. Auch Petra Grimm-Benne vom Koalitionspartner SPD ist skeptisch: "Ich sehe keinen Reformbedarf. Mit der naturnahen Beisetzung in Friedwäldern gewährt das Gesetz bereits Spielraum."

Unterstützung erhält die Koalition von der Evangelischen Kirche. "Eine Aufhebung des Friedhofszwangs sehen wir überaus kritisch. Menschliche Würde endet nicht mit dem Tod. Das soll auch in Art und Ort der Bestattung zum Ausdruck kommen", sagte Landesbischöfin Ilse Junkermann der Volksstimme. Trauer habe neben der individuellen auch eine öffentliche Dimension - diese würde mit der Aufhebung des Friedhofszwangs erheblich beschränkt, so Junkermann. "Leiden, Sterben und Tod würden damit noch stärker aus der Öffentlichkeit gedrängt", warnt die Landesbischöfin.

Großes Interesse an Gesetzesberatung
Die Opposition will die Reform trotz der Kritik vorantreiben. "Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Immer weniger Menschen wollen auf dem Friedhof bestattet werden. Dafür wollen wir politisch den Weg ebnen", kündigte Lüddemann an.

Nächste Woche Mittwoch (18. März) findet im Landtag eine öffentliche Anhörung zum Bestattungsgesetz statt. Den Abgeordneten steht eine Marathonsitzung bevor: Rund 40 Organisationen und Verbände wollen zu dem Gesetz Stellung nehmen.