Magdeburg l Frank Schmidt, Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) - so stellte sich ein Staßfurter unter anderem bei einem seiner Opfer vor. Er hatte angegeben, eine Flugschule gründen zu wollen. Dabei ergaunerte er 10000 Euro. Als der Betrug aufflog, wollte er offenbar den Geschäftspartner einschüchtern und sagte, dass sein Haus verwanzt sei. Der 43-Jährige fuchtelte dabei mit Handschellen.

Seit Dienstag sitzt eben jener falsche Geheimagent mit echten Handschellen auf der Anklagebank. Sein richtiger Name ist Christian S. Vorgeworfen werden ihm mindestens 25 weitere Betrugsfälle. Insgesamt werden ihm fast 40 Straftaten zur Last gelegt. Seit seiner Festnahme am 9. Oktober 2014 schweigt der Arbeitslose, der sich laut Staatsanwaltschaft schon seit Jahren als notorischer Betrüger seinen Lebensunterhalt verdient. Zuletzt war er wegen Untreue und Betruges im Jahr 2006 zu viereinhalb Jahren Haft vom Magdeburger Landgericht verurteilt worden.

Die vorgeworfene aktuelle Serie hatte im März 2011 begonnen. Der Mann versprach dabei den Opfern unter anderem, an Fluglehrerlizenzen zu kommen. Er gab auch an, gepanzerte Autos, Maschinen und kleine Helikopter zu verkaufen, die er aber nie besaß. Dabei verschleierte er laut Staatsanwaltschaft fast immer seine Identität und kassierte Anzahlungen oder andere Beträge in einer Gesamthöhe von 450000 Euro. Der Angeklagte sei dabei so selbstsicher aufgetreten, dass später ein Opfer vor seiner Aussage sogar beim Landeskriminalamt anfragte, ob es sich nicht doch um einen korrupten Polizisten handeln könnte. Der hatte zuvor angeboten, für Geld Polizeiinterna zu verraten.

In einem anderen Fall habe der Angeklagte einer syrischen Familie und einem Ägypter versprochen, Einreise-Visa zu beschaffen. Der Angeklagte wollte auch für den Transport sorgen. Doch als bei einer Geldübergabe auf dem Flughafen Leipzig/Halle noch mehr Geld gefordert wurde, platzte ein weiteres Geschäft.

Für den nächsten Dienstag kündigte der Angeklagte eine Stellungnahme an.

Die Polizei in Sachsen-Anhalt registrierte im vergangenen Jahr knapp 28000 Betrugsfälle, etwa genauso viele wie im Jahr 2013. Von den 14700 Verdächtigen war ein Drittel männlich. Die Aufklärungsquote lag bei mehr als 80 Prozent.