Magdeburg l Aus allen freien Oberbürgermeister-Wahlen in Magdeburg gingen seit der Wende Sozialdemokraten als Sieger hervor. 1990 und 1994 machte Willi Polte das Rennen. 2001 und 2008 siegte Lutz Trümper. Vor sieben Jahren gelang ihm ein Durchmarsch (64 Prozent) im ersten Wahlgang; allerdings bei magerer Wahlbeteiligung (35 Prozent). Seit 2001 bleibt die Mehrheit der Magdeburger den OB-Wahlen fern. Es spricht wenig dafür, dass sich dies am Sonntag ändert. Die Streitthemen fehlen.

Die Bilanz der 14-jährigen Ära Trümper fällt stattlich aus. Sie reicht von einer Verdopplung der Gewerbesteuereinnahmen über eine durchsanierte Schullandschaft, eine bei solider Haushaltsführung weithin erneuerte Infrastruktur bis hin zu einem Wandel im Selbstbewusstsein der Elbestädter. Stolz auf die dynamische Heimatstadt liegt im Trend. Das einzig große aktuelle Streitthema in Magdeburg ist ein Tunnelbau in der Innenstadt. Gegner klagten und unterlagen vor Gericht. Die Kosten sind schon vor dem Baustart explodiert, aber politisch blieb der Bau im Stadtrat in trockenen Tüchern. Das Thema ist durch und im Sommer ist Baustart. Daran könnte ein neuer Oberbürgermeister kaum mehr etwas ändern.

Kritik wird weniger an den Ergebnissen von Trümpers Amtsführung laut, als vielmehr an der Art und Weise.

Die Linke nennt Trümper einen visionslosen Verwalter und attestiert ihm soziale Kälte. Linke-Kandidat Frank Theile verspricht wie alle anderen Herausforderer mehr Bürgerbeteiligung und will "Gestalter statt Verwalter" sein. Theile - 56 Jahre, einst NVA-Pilot, heute Angestellter der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft und Fraktionschef der Linken im Stadtrat - stieg schon 2008 gegen Trümper in den Ring. Lokal damals unbekannt, war er am Ende chancenlos, aber mit 12 Prozent Zweitplatzierter.

Die CDU agierte in allen Magdeburger OB-Wahlen seit der Wende glücklos. Der Landtagsabgeordnete und lokal prominente Wigbert Schwenke schaffte 2008 gegen Trümper nicht einmal ein zweistelliges Ergebnis (9,7 Prozent). Jetzt versucht es die Union mit weiblichem Charme und Überraschungseffekt. Edwina Koch-Kupfer heißt die Hoffnung der Magdeburger CDU. Die 52-jährige Lehrerin ist erst seit einem Jahr Mitglied der Partei und noch nicht länger Magdeburgerin. 2011 zog die gebürtige Halberstädterin als Parteilose für die Linke in den Landtag ein. 2012 lief sie zur CDU-Fraktion über und strebt jetzt mit neuem Parteibuch im Sturmschritt an die Macht. Programmatisch bleibt ihr Auftritt dünn. Koch-Kupfer verspricht eine neue Art der Amtsführung im Rathaus samt stärkerer Wertschätzung der Mitarbeiter. Trümper weist auf Foren zurück, dass ihm solche Wertschätzung abginge.

Versiert geht für die Grünen Olaf Meister zum zweiten Mal als OB-Kandidat an den Start. Mehr Transparenz statt Monarchie heißt sein Schlachtruf. Der 43-jährige Jurist, seit 2013 Landtagsabgeordneter, ist in Magdeburg geboren, verfügt über viel Erfahrung in der politischen Auseinandersetzung, rechnet sich aber selbst keine Siegchancen aus. Der Rest ist Staffage: ein Tierschützer, ein jugendlicher Freiwähler, eine Selbstdarstellerin, die einst bei den Linken war, und einer, der mit Satire das Establishment brüskiert, Spaßkandidat Jens Heinicke.

Wird Trümper wiedergewählt, würde er 2022 - am Ende der Wahlperiode - 21 Jahre lang Oberbürgermeister sein. Alles andere als seine Wiederwahl wäre eine Sensation.

   

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