Staßfurt l Die Staßfurter Zirkuslegende Rudolf Probst ist tot. Der Zirkusgründer starb am Mittwoch nach langer schwerer Krankheit im Alter von 92 Jahren in Schneidlingen (Salzlandkreis). Rudolf Probst entstammt einer der ältesten Zirkusfamilien, den Althoffs, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lassen.

Am 29. Dezember 1922 erblickte er in einem Wohnwagen vor einer Kneipe bei Coswig das Licht der Welt. Sein Vater Max Heinrich hatte sieben Kinder. Rudolf hüpfte schon zeitig als Clown durch die Manege, lernte Jonglieren und Artistik auf dem Seil.

1945 gründete Rudolf Probst seinen ersten Zirkus "Probstini". Mit ein paar Brettern und Stangen begann seine Karriere. 1953 besaß der Zirkus bereits ein Zelt für 1200 Zuschauer, 40 Pferde, 20 Wagen und viele Exoten. Doch den DDR-Oberen war der quirlige und unberechenbare Staßfurter Zirkuschef ein Dorn im Auge und schickten ihn zweimal ins Gefängnis.

20 Jahre später legte der sozialistische Staat noch härtere Bandagen an. Er brachte den Zirkusdirektor wieder hinter Gitter und enteignete auch noch den Grund und Boden der Familie. Die Rede war damals von Zollvergehen, was aber nie bewiesen werden konnte. Rudolf Probst hatte Autoreifen und einen Elefanten aus Ungarn mitgebracht. 20 Großkatzen wurden daraufhin erschossen. Die Elefanten kamen in den Zoo.

Doch "Rudi", wie er von allen genannt wurde, war eine Kämpfernatur und gab nie klein bei. Nach der Enteignung wagte er immer wieder den Neuanfang. 1955 erhielt er wieder eine Spielgenehmigung. Denn eine hohe Qualität stand bei Zirkus Probst von jeher im Vordergrund. In den 1960er Jahren ging Probst mit Gastspielen nach Polen, Rumänien, Ungarn und in die SSR. Später bekam er die Lizenz, als Reisezirkus im Auftrag des Staatszirkus der DDR zu arbeiten.

1966 erhielt Rudolf Probst sogar das Angebot, für den Ringling Brothers Circus aus Amerika zu arbeiten, der weltweit bekannt war. Doch das ließen die DDR-Behörden nicht zu. Seit 1981 geht Zirkus Probst wieder eigenständig auf Tournee. Nach der Wende wurde es nicht leichter. Der Kampf um die Rückübertragung des enteigneten Winterquartiers, sinkende Besucherzahlen, die erdrückende Konkurrenz und riesige Tourneekosten verkraftete die ganze Familie gemeinsam. Jede Mark ging in neue Technik und ein neues freitragendes Chapiteau.

Rudolf Probsts unbändiger Überlebenswille verhalf ihm auch dieses Mal wieder zum Erfolg. Heute gehört Zirkus Probst zu den Großen in Deutschland. Er avancierte zur Nummer 1 Ostdeutschlands. Zirzensische Spitzenleistungen und wirtschaftliche Umsicht haben dem Familienbetrieb, in dem vor Jahren seine Tochter Mercedes und deren Mann Andreas Blessmann sowie Sohn Rüdiger die Regie übernommen hatten, das Überleben gesichert. Tochter Maike und ihr Mann Jörg haben sich mit einer Tiershow selbstständig gemacht.

Infolge der Einführung des Mindestlohnes, insbesondere aber wegen der damit verbundenen Dokumentationspflicht, stellte Zirkus Probst Ende 2014 nach knapp 70 Jahren den Tourneebetrieb vorläufig ein. Staßfurts Oberbürgermeister René Zok (parteilos) würdigte gestern die großen Verdienste des Staßfurter Urgesteins: "Die Stadt verliert mit Rudolf Probst eine herausragende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Wir werden ihm stets ein ehrenvolles Gedenken bewahren."

Die Trauerfeier findet am kommenden Mittwoch um 13 Uhr auf dem Friedhof in Staßfurt-Leopoldshall statt.