Es beginnt endlich frühlingshaft zu grünen! In allen Schattierungen der hoffnungsschwangeren Farbe: Tiefgrün, Giftgrün, Lindgrün, Blassgrün und - Tschitscheringrün! Diese Bezeichnung wird gern mit dem russisch-sowjetischen Politiker Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin in Verbindung gebracht, weil er auf der Rappallo-Konferenz 1922 in einem Anzug mit eigenartiger Farbgebung auftrat.

Der Begriff ist jedoch bereits Ende des 19. Jahrhunderts als mundartlicher Ausdruck in Thüringen bekannt gewesen. Der Ursprung ist demnach das italienische Wort "ciceri". Das heißt Erbse und wird "tschit-schéri" ausgesprochen.

Seine Blütezeit hatte das Tschitscheringrün zweifelsohne zu DDR-Zeiten. Es war vor allem in Berlin und Sachsen ("Dschidschoriengrien") sehr gebräuchlich. Ließen sich doch darunter all die sonderlichen Farbtöne fassen, die die Mangelwirtschaft oder die Kreativität der Roten Armee bei der Gestaltung ihrer Unterkünfte hervorbrachten. Dann verlor sich die Farbspezialität zusehens in den Wirren der Nachwendezeit.

Was wohl auch daran liegt, dass niemand festgelegt hat, wie dieser ominöse Grünton genau aussieht. Ein Anhaltspunkt: In den Augen beißen sollte alles Tschitscheringrüne schon ein wenig.

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