Stendal l Familienoberhaupt Ernst von Bismarck möchte kein großes Brimborium: "Wir sind eine Familie wie jede andere." Doch das sind sie natürlich nicht. Nicht nur, weil sie das "von" im Namen tragen, sondern weil wohl auch kaum eine andere Familie einen so bekannten Ahnen im Stammbaum hat wie den Reichsgründer Otto von Bismarck.

Die Wurzeln der Famlie liegen in der Altmark. Otto wurde am 1. April vor 200 Jahren in Schönhausen geboren. So war es kein Zufall, dass das zweijährliche Familientreffen in der Altmark stattfand. Etwa 340 Mitglieder zählt der Clan heute.

Rund 130 Mitglieder machten sich auf den Weg ins nördliche Sachsen-Anhalt.

"Die Verwandten aus Amerika kommen eigentlich immer, andere nie", war Ernst von Bismarck zufrieden mit der Resonanz. Stolz war er vor allem darauf, dass 25 Teilnehmer Kinder unter 14 Jahren sind. Das spricht für die Zukunft der Familie.

Für die Normalität, so es sie denn doch geben sollte, spricht, dass manche der jungen von Bismarcks beim Festakt am Sonnabend im Stendaler Musikforum Katharinenkirche lieber einem Rekord auf dem Smartphone-Spiel nachjagten, als der Podiumsdiskussion zu folgen. Die war mit dem Historiker Arnulf Baring, dem Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger und Zeit-Herausgeber Josef Joffe zwar hochkarätig besetzt, aber das Thema "Sicherheitspolitik zu Zeiten Otto von Bismarcks und heute" begeistert wohl die wenigsten Zehnjährigen.

Die übrigen der rund 200 Gäste verfolgten aufmerksam den Austausch der Thesen, ebenso wie sie schon zuvor den Grußworten von Staatsminister Rainer Robra, Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) und natürlich Ernst von Bismarck gelauscht hatten. Nach rund zwei Stunden und der aufmunternden Klavierinterpretation vom Fluch-der-Karibik-Thema des Döbbeliner Alexander-von-Bismarck-Sprosses Armin gab es zur Pause vor der Besichtigung der neuen Ausstellung des Altmärkischen Museums einen original Bismarckhering aus Stralsund.

"Als Nachfahre des Bruders Otto von Bismarcks bin ich immer noch fasziniert von dessen Persönlichkeit", sagt Friedrich-Karl von Bismarck der Volksstimme. Die Faszination macht für den 72-Jährigen eine unglaubliche politische Tatkraft verbunden mit Energie und Übersicht aus. Klaus von Bismarck (70) meint, dass es in jeder Familie Menschen gibt, die für die Kultur der gesamten Familie prägend sind. Für sein Leben hat dem ehemaligen Konstrukteur von Industriemaschinen, der auch im Ausland tätig war, die Anpassung an andere Kulturen des Urahnen geholfen. Vor allem orientiert er sich an dessen Mut.

Sylvester von Bismarck sieht in Otto von Bismarck eine Mischung aus Verantwortung und Vorbild. Der Name sei manchmal aber auch Last. "Wenn ich zu schnell gefahren bin, fragt mich der Polizist, ob ich glaube, das machen zu dürfen, nur weil ich ein Bismarck bin", nennt der 52-Jährige ein Beispiel. Allerdings habe er sich ehrlicherweise weniger mit dem Urahnen beschäftigt als jemand, der nichts mit der Familie von Bismarck zu tun hat. "Er ist einfach da", erklärt er. Die 32-jährige Marie von Bismarck ist Tochter des Familienoberhauptes. Sie betrachtet ihre Herkunft ganz entspannt. Natürlich sei der Name mit der Persönlichkeit Otto von Bismarcks verbunden. Es bringe aber wenig, ihn hochzuloben oder gar zu glorifizieren. "Man muss den Namen mit eigenen Leistungen ausfüllen", ist ihre Überzeugung.

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