Magdeburg l Mit lautem Rums wird am 23. Juni 2014 um 2 Uhr eine Magdeburger Familie im Stadtteil Salbke aus dem Schlaf gerissen. Eine Druckwelle rollt durch ihre Wohnung. Schnell wird klar: Die zwei Kinder und ihre Eltern sind nur knapp einer Katastrophe entgangen. Direkt unter ihnen befindet sich die Sparkasse. Alle Räume sowie eine Bibliothek werden stark beschädigt. Die Täter verschwinden mit 114.000 Euro. Später stellt die Polizei fest: Die Automatensprengung gehört zu einer Serie in Harz und Börde.

Zwei Männer aus Quedlinburg und Halberstadt (37 und 39 Jahre), die später nach Magdeburg umzogen, stehen dazu seit Freitag vor dem Magdeburger Landgericht. Dem Duo wirft Staatsanwalt Ralf Ebbing fünf Sprengungen von Geldautomaten vor. In drei Fällen in Quedlinburg und Magdeburg kamen sie an das Geld. In Seehausen (Börde) und Neundorf bei Staßfurt im Salzlandkreis blieb es beim Versuch.

Täter ist Vater von vier Kindern

Die Beute belief sich auf mehr als 200.000 Euro. Weil einer der gesprengten Automaten in Quedlinburg mit Farb-Patronen gesichert war, schmälerte dies die Beute. Die Polizei stellte später 132 der unbrauchbaren Geldscheine sicher. Mit der Beute sollen die Männer ihren Lebensunterhalt bestritten haben.

Der verheiratete und vorbestrafte 39-jährige Andreas D., er hat vier Kinder, soll sich nach dem Überfall in Magdeburg einen Kuba-Urlaub genehmigt haben. Sein Mitangeklagter brachte einen Teil der Beute auf die Bank. Der 37-jährige gelernte Gasinstallateur gilt als einschlägig vorbestraft.

Mietwagen hilft, Täter zu finden

Ein von ihnen genutzter Mietwagen hat am Ende die Männer verraten. Das Auto verfügte über ein GPS-Modul, das über Monate zurück ausgewertet werden konnte. Später waren bis zu 100 Polizisten an den Ermittlungen beteiligt. Das Landeskriminalamt (LKA) setzte Telefon- und Videoüberwachungen ein, verfolgte die Männer, überwachte Kontobewegungen.

Ein Spezialkommando überwältigte das Duo schließlich am 4. September auf frischer Tat in Neundorf. Die Männer sitzen seither in Untersuchungshaft. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

In Sachsen-Anhalt gab es im vergangenen Jahr 15 Sprengungen, sechs davon blieben im Versuch stecken. Einige dieser Fälle sind noch ungeklärt.

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