Da war er wieder. Karl Friedrich L. hat sich erneut an die Petitionsausschüsse aller Länder gewandt. Er hat die Idee, dass Behörden bunt bemalte, tönende oder mit Düften angereicherte Schreiben versenden sollen, um die Adressaten bei guter Laune zu halten. Vor Jahren hat ihm die damalige Ausschussvorsitzende in Sachsen-Anhalt, Frauke Weiß, einen wunderschönen Antwortbrief geschickt. Wertschätzend, aber nicht ganz frei von feiner Ironie.


Ihr Nachfolger Hans-Joachim Mewes hat ihn jetzt wieder darauf hingewiesen. So ähnlich mag der Vorgang von 16 Bundesländern bearbeitet worden sein. Der Staatsapparat ist in Gefahr. Ministerien, Parteizentralen und Behörden werden überschwemmt von Episteln und Konvoluten der Sonderlinge, die als Bürger getarnt die Maschinerie in den Leerlauf schalten. Jeder technische Fortschritt in der Kommunikationstechnik hat die Macht der Beknackten größer werden lassen. Immer mehr Referenten versuchen der "Bürgerbeteiligung" Herr zu werden. Faxe aus Schreibwarenläden brachten den ersten Schub an demokratischer Beteiligung.

Unsinn an den großen Verteiler zu schicken, kam in Mode. Jetzt droht der Kollaps des öffentlichen Diskurses. Facebook-Accounts, Kommentarfunktionen - Politik und Medien haben das Feld für mehr demokratische Beteiligung bereitet. Dort wuchert aber Absonderliches oder das Dornengestrüpp hasserfüllter "Trolle". Kein Biotop für das zarte Pflänzchen der Vernunft. Nur eine "Bürger-Bad-Bank" für Schimpf und Stuss kann den öffentlichen Diskurs retten. Politik und Medien einigen sich auf einen Algorithmus, nach dem beides automatisch an eine zentrale Verklappungsstelle gesendet wird. Dort kümmern sich wie immer Psychologen.