Tröglitz (dpa/vs) l Am Ostermontag ist es still in Tröglitz. Einige Einwohner werkeln in ihren Vorgärten. Spricht man sie an, wollen die meisten nichts sagen oder drehen sich um. Doch mit Ruhe und Frieden dürfte es in dem Ort, der seit Wochen in den bundesdeutschen Medien Schlagzeilen macht, seit dem Osterwochenende endgültig vorbei sein. Vor dem Flüchtlingsheim, das in der Nacht zum Sonnabend brannte, steht ein Polizeiwagen.

Auch CDU-Landrat Götz Ulrich bekommt nun Polizeischutz. Ulrich hatte dem Fernsehsender n-tv (Online) gesagt, dass er bedroht werde. "Das nimmt unangenehme Formen an. Das geht sogar so weit, dass die Methoden der Französischen Revolution angedroht werden", erklärte er. Laut "Bild"-Zeitung sei in dem Zusammenhang von einer Enthauptung die Rede gewesen. Ulrich ist für die Unterbringung von Flüchtlingen im Burgenlandkreis zuständig. Unlängst hatte er beim Bund nach Angaben des Kreises eine stärkere Förderung beantragt. Unter anderem habe er sich für Deutschkurse für Kinder von Asylbewerbern eingesetzt.

Der Landrat ist nicht der erste Politiker, der sich Drohungen ausgesetzt sieht. Anfang März gab Bürgermeister Markus Nierth sein Amt ab, weil Rechtsextreme ihn angingen. Direkt vor seinem Haus hatte die NPD gegen das Asylbewerberheim protestiert. Nach dem Brandanschlag zeigten sich viele im Ort betroffen und wollten ein Zeichen gegen Fremdenhass und für ein tolerantes Tröglitz setzen. Rund 300 Menschen kamen am Sonnabend zu einer spontanen Demonstration, einberufen von Nierth. In einem Flugblatt sprach er von einer "Schande" für den Ort, vergleichbar mit den fremdenfeindlichen Brandanschlägen in Mölln und Hoyerswerda. Landrat Ulrich kündigte auf der Kundgebung an, mit Vermietern sprechen zu wollen und andere Häuser zu finden, um die Flüchtlinge unterzubringen.

Diese Idee will Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) schnell in die Tat umsetzen. Als Zeichen, dass "die Menschen vor Ort sich durch so ein Geschehen nicht abschrecken lassen". Heute will er mit Ulrich über eine Unterbringung von Flüchtlingen in privaten Wohnungen sprechen. Auch das unbewohnbare Flüchtlingsheim soll nach der Sanierung wie geplant von Asylbewerbern bezogen werden.

Die Unterbringung der wachsenden Zahl von Flüchtlingen sorgt auch anderswo für Widerstand. Laut Mitteldeutscher Zeitung wurde am Sonnabend in Güntersberge (Harz) eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des insolventen Kinder- und Erholungszentrums (Kiez) gestartet, bei der 200 Bürger unterschrieben. Das Innenministerium überlegt, hier eine Zweigstelle der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber einzurichten. Meinung