Magdeburg/Tröglitz (dpa/se/cm) | Eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe aus 17 Beamten will den Brandstiftern von Tröglitz auf die Spur kommen. Hinweise, die den Anschlag auf das noch nicht bezogene Flüchtlingsheim im südlichen Sachsen-Anhalt aufklären, würden mit insgesamt 20 000 Euro belohnt. Das kündigte der Direktor des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt, Jürgen Schmökel, am Dienstag in Magdeburg an. Für Mittwoch planten die Beamten eine umfassende Befragung in der Ortschaft im Burgenlandkreis.

Ermittelt werde in alle Richtungen, auch wenn es Vermutungen gebe, dass der Anschlag vom Ostersamstag aus der rechten Ecke heraus verübt worden sei. Gegen alle Proteste der rechten Szene halten das Bundesland und der zuständige Burgenlandkreis daran fest, in Tröglitz 40 Asylbewerber unterzubringen. Bundesweit ist die Empörung über den Brandanschlag groß.

Landrat Götz Ulrich (CDU) sagte: "Wir wollen am Zeitplan festhalten. Bis Ende Mai, Anfang Juni sollen an anderer Stelle in Tröglitz die ersten Asylbewerber untergebracht werden." Vorzugsweise sollen Familien einziehen. Tröglitzer Bürger hätten Wohnraum angeboten. Wie geeignet die Räume seien, werde in den kommenden Tagen geprüft. Bis das angezündete Wohnhaus für die Flüchtlinge wieder bezugsfertig ist, werde es noch Monate dauern, sagte Ulrich.

Laut LKA-Direktor Schmökel wurde der Brandanschlag in der Nacht zum Samstag zwischen Kontrollen zweier Polizeistreifen verübt. Der oder die Täter seien in das Haus eingebrochen und hätten mitgebrachten Brandbeschleuniger an verschiedenen Stellen verteilt. Die Polizei fand später Kanister. Konkrete Spuren habe die Polizei noch nicht.

In Tröglitz mit rund 2700 Einwohnern hatten seit Monaten Rechtsextreme Stimmung gegen die Asylbewerber gemacht. Wegen der Anfeindungen und aus seiner Sicht mangelnder Unterstützung war im März Bürgermeister Markus Nierth (parteilos) zurückgetreten.

Das Wohlbefinden künftiger Asylbewerbern in Tröglitz dürfte nach Einschätzung von Landrat Götz Ulrich auch von der Unterstützung im Ort abhängen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es da Bedenken geben kann. Die müssen durch das Engagement dieses Netzwerkes weiter ausgeräumt werden." Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte: "Wir haben das Erforderliche zu tun, um eine möglichst große Sicherheitslage für die Menschen herzustellen." Es gelte aber auch: "Eine 100-prozentige Sicherheit wird niemand versprechen können, weder hier noch woanders."

Bis zur Tat in Tröglitz habe es in Sachsen-Anhalt, das seit 2012 auf die Unterbringung von Asylbewerbern in Wohnungen statt in zentralen Unterkünften setze, keine Probleme gegeben, sagte Stahlknecht. 65 Prozent der Asylsuchenden seien dezentral untergebracht. Laut Landesinnenministerium gab es im gesamten Jahr 2014 acht Übergriffe auf Unterkünfte von Asylbewerbern, in diesem Jahr waren es samt Tröglitz sechs. Gezählt wurden auch Schmierereien.

Attacken auf Flüchtlingsheime wie das in Tröglitz sind nach Auffassung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff "ein bundesweites Problem". "Die Zahl der Übergriffe steigt im gesamten Bundesgebiet deutlich an. Tröglitz ist überall", sagte der CDU-Politiker der Zeitung "Die Welt".