Tröglitz/Magdeburg l Die geplante Unterbringung von 40 Asylbewerbern in Tröglitz (Burgenlandkreis) wird sich verzögern, ist aber nicht aufzuhalten. Das bekräftigten Landrat Götz Ulrich und Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) am Dienstag. Nach dem Brand der künftigen Asylbewerberunterkunft haben mehrere Tröglitzer Wohnungen zur Miete angeboten.

Ende Mai oder Anfang Juni sollen die ersten zehn Flüchtlinge einziehen, kündigte Ulrich an. Aus welchen Ländern die Asylbewerber stammen, stehe noch nicht fest. In den nächsten Tagen würden seine Mitarbeiter die Räume überprüfen. "Ich habe für den Burgenlandkreis entschieden, dass wir an der Unterbringung von Asylbewerbern festhalten werden", kündigte Ulrich an. Innenminister Stahlknecht sagte, alles andere wäre "die Kapitulation des Rechtsstaats vor Verbrechern".

Alle Einwohner von Tröglitz werden befragt

Bei der Suche nach den Tätern erhöht die Polizei den Druck. Stahlknecht hat für Hinweise eine Belohnung von 20000 Euro ausgelobt. Am heutigen Mittwoch werden Polizeibeamte in Tröglitz von Haustür zu Haustür ziehen und die Einwohner befragen. Die 17-köpfige Ermittlungsgruppe "Kanister" sammelt alle Hinweise. "Ermittelt wird in alle Richtungen", sagte der Chef des Landeskriminalamts, Jürgen Schmökel. Denkbar sei ein ausländerfeindlicher Beweggrund. "Es ist aber auch überhaupt nicht ausgeschlossen, dass ein solcher Anschlag benutzt wird, um eine bestimmte politische Richtung zu diskreditieren."

65 Prozent der Flüchtlinge in dezentralen Wohnungen

Der oder die Täter haben in der Nacht zum Karsonnabend die Tür des vom Landkreis angemieteten Gebäudes aufgebrochen und mit Brandbeschleunigern ein Feuer gelegt. Mehrere Kanister wurden gefunden. Über weitere Details will die Polizei nicht reden. "Das könnte Ermittlungsschritte vereiteln oder schwieriger machen", sagte Stahlknecht.

Er betonte, das Heim sei ausreichend geschützt worden. Selbst der Besitzer sei ohne Kontrolle nicht in sein eigenes Haus gekommen. "Hundertprozentige Sicherheit aber wird es nie geben." Der Minister betonte, in Sachsen-Anhalt seien 65 Prozent aller Asylbewerber in dezentralen Wohnungen untergebracht. Bis zum Anschlag von Tröglitz habe es keine Probleme gegeben.

Landrat Ulrich, dem Unbekannte mit dem Tod gedroht hatten, wollte noch am Dienstag Anzeige erstatten. "Sie können sich vorstellen, dass das für meine Familie, meine Kinder keine angenehme Situation ist", sagte er. Er nehme die Gefahr sehr ernst.

Auch in westlichen Bundesländern haben die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte deutlich zugenommen. Studien zufolge ist Fremdenhass kein rein ostdeutsches Phänomen.

 

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