Rocker in Sachsen-Anhalt

Laut Landeskriminalamt gibt es etwa 30 Motorradgruppen mit mehreren hundert Rockern. In den vergangenen zwei Jahren gab es viele Auflösungen und Neugründungen. Die Hells-Angels haben vor allem im mittleren und nördlichen Sachsen-Anhalt die Bandidos verdrängt. In Magdeburg löste sich der MC Magdeburg-City als Bandido-Stützpunkt auf. Unterstützerklubs, die Chicanos, verschwanden in Gommern, Magdeburg, Thale und Bernburg. Die Hells Angels verfügen seit 2014 über einen eigenen Charter in Magdeburg und Unterstützerclubs in Salzwedel, Stendal, Gommern, Bernburg und Schönebeck.

Zwischen 50 und 80 Prozent der Mitglieder der Motorradgangs sind nach Polizeiangaben bereits straffällig geworden. Oft geht es um Drogen-, Rotlichtgeschäft und Schutzgelderpressung. Nicht einmal die Hälfte soll einen Motorrad-Führerschein besitzen. Seit dem vergangenen Jahr gibt es ein Emblem-Verbot gegen Hells Angels und Bandidos sowie deren Unterstützer-Clubs. (mf)

Magdeburg l Die Handschellen klickten bei Marius K. während eines Großeinsatzes der Polizei am 18. Dezember vergangenen Jahres in Magdeburg: 300 Beamte, schwer bewaffnet mit Maschinenpistolen, kontrollierten dabei zahlreiche Fahrzeuge mit Kennzeichen aus der ganzen Bundesrepublik.

Die Männer in den Wagen wollten zum "German Officer Meeting". Das ist eine Zusammenkunft der etwa hundert führenden Köpfe der "Hells Angels" in Deutschland. Ihre Autos kreisten zunächst in Magdeburg am neuen Stützpunkt der Rockergruppe in der Maybachstraße umher. Später wurde das Treffen aber nach Ackendorf im Landkreis Börde verlegt.

Der Mercedes Coupé mit dem Salzwedeler an Bord ist an diesem Tag ebenfalls unter die Lupe genommen worden. Am Steuer saß der 21-jährige Komplize Steffen R. aus Osterburg. Er soll sich später noch vor einem Jugendschöffengericht verantworten.

78 Gramm Crystal und 49 Gramm Kokain gefunden

Die Polizei fand bei der Durchsuchung 78,1 Gramm hochgradig reines Crystal, 49,2 Gramm Kokain, 20 Ecstasy-Tabletten und acht Gramm Marihuana. Die Beamten meinten später, dass sie wohl den Catering-Service für das Treffen abgefangen haben. Auch in der unter strengen Sicherheitsvorkehrungen geführten Verhandlung vor dem Magdeburger Landgericht geht Staatsanwältin Martina Laue davon aus, dass der Angeklagte zum Treffen wollte. Dafür spreche auch, dass mehrere SMS und gespeicherte Kontakte der drei im Auto sichergestellten Handys zu führenden Mitgliedern der Hells Angels gehörten.

Ein Ermittler sagte dem Gericht, dass Marius K. selbst zwar kein Rocker ist, aber zum näheren Umfeld gerechnet werde. Der Leipziger Verteidiger Stephan Bonell, der nach eigenen Angaben bereits viele "Hells Angels" in Leipzig und Magdeburg vertreten habe: "Mein Mandant räumt alles ein. Nur der Vorwurf, dass er zum Treffen wollte, stimmt nicht."

Marius K. habe die Drogen in einer Magdeburger Spielhalle bei einem Dealer für rund 4000 Euro gekauft und wollte nur einen Teil an Freunde weiterverkaufen.

Bis zum Jahr 2000 gehörte K. der rechtsradikalen Szene in Salzwedel an. Drogensüchtig wurde der Altmärker bei seinem letzten Haftaufenthalt von 2008 bis 2011 in der JVA Naumburg. Er finanzierte seine Sucht mit dem Weiterverkauf der Drogen. Aus diesem Grund soll er nun im Rahmen der Strafe so schnell wie möglich eine zweijährige Entziehungstherapie in Bernburg antreten.