Magdeburg l Im Oktober vergangenen Jahres staunte ein 25-jähriger Magdeburger nicht schlecht, als er in einem Internetauktionshaus sein eigenes Fahrrad wiederfand. Er nahm Kontakt mit dem Käufer auf, verabredete einen Übergabetermin und informierte die Polizei. Zivilpolizisten ließen kurze Zeit später die Handschellen klicken. Der Diebstahl und die Hehlerei im Internet konnte aufgeklärt werden.

"Das Internet ist zunehmend Tatort für zahlreiche Straftaten und Verbrechen", sagt der Sprecher des Landeskriminalamtes Andreas von Koß. Die Zahlen stiegen von 6200 Fällen im Jahr 2011 auf 8556 Fälle im vergangenen Jahr an.

Zur Cyberkriminaliät im engeren Sinn zählten rund 1500 Fälle. Darunter fallen Computersabotage, Ausspähen von Daten, Betrug mit Zugangsberechtigungen und Computerbetrug.

Für diese spezielleren Fälle steht den Ermittlern im Land das Cybercrime-Competenz-Center "4C" im Landeskriminalamt zur Verfügung. Dort arbeiten etwa 50 Experten unter anderem an der forensischen Auswertung von Datenträgern. Allein die Ermittler von "4c" durchsuchten im vergangenen Jahr 295 Terabyte Daten, das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Zum Vergleich: Die Universitätsklinik Magdeburg hat in den vergangenen zehn Jahren alle digitalen CT- und Röntgenbilder von den jährlich rund 100000 Untersuchungen digital gespeichert. Dieser Speicher ist inzwischen mit 40 Terabyte belegt.

Andreas von Koß: "Die Datenmenge wird perspektivisch auch nicht weniger und stellt uns vor große Herausforderungen." Die Schäden durch Ausspähen von Daten, Computerbetrug oder dem Diebstahl digitaler Identität gehen laut LKA in die Millionen.

Das Land Sachsen-Anhalt hat auf diese Entwicklung reagiert und zu Jahresbeginn aus dem anfänglichen Pilotprojekt "4c" eine Abteilung im LKA gegründet. Sie unterstützt fachlich die Ermittler der Polizeidirektionen und führt auch eigenständige Ermittlungen. "Durch die Konzentration der Fachkräfte können wir viel schneller und besser auf die Entwicklungen reagieren", so von Koß.

Die Polizei müsse mit den Straftätern auf Augenhöhe bleiben. Deshalb sei nicht nur die permanente Weiterbildung wichtig, sondern auch die Ausstattung. Inzwischen arbeiten die Kompetenzzentren auch auf Bundesebene eng zusammen, so Andreas von Koß.

Ähnlich agieren inzwischen die anderen Strafverfolgungsbehörden. Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad will auch juristisch die Kompetenz für Internetkriminalität im engeren Sinn an einer Stelle im Land konzentrieren. "In den nächsten Monaten wird eine Machbarkeitsstudie vorliegen und dann werden wir sehen, wie es weitergeht", so Konrad.

Schon jetzt haben sich bei den Staatsanwaltschaften Sonderdezernate für Internetkriminalität gebildet. "Wir müssen jetzt diskutieren, ob es reicht, dieses System weiter zu optimieren oder ein neues zu installieren", so Generalstaatsanwalt Konrad.