Gardelegen l Aus dem Westen und dem Süden mussten sie die Todesmärsche antreten. Aus dem KZ-Außenlager Rottleberode. Aus Stempeda. Aus Richtung Hannover. Die Front kam immer näher. In Gardelegen trafen die KZ-Häftlings-Transporte aufeinander. Mehr als 1000 Menschen wurden auf dem Rittergut Isenschnibbe am 13. April 1945 in eine Scheune gepfercht. In den Abendstunden wurde das Gebäude, in dem benzingetränktes Stroh lag, angezündet. Nur wenige überlebten. 1016 Männer verbrannten, erstickten oder wurden von den Nationalsozialisten erschossen - vier Wochen vor Kriegsende.

Als die US-Army eintraf, stieg noch Rauch auf

Keine 30 Stunden später erreichten die amerikanischen Truppen Gardelegen. Als die US-Army an der Scheune eintraf, stieg noch Rauch von den Körpern der Toten auf. Die 1016 Leichen wurden zuerst in Massengräbern, dann auf Befehl von General Dwight D. Eisenhower in Einzelgräbern beerdigt.

Heute ist der Militär-Friedhof mit den weißen Kreuzen der Mittelpunkt einer Gedenkstätte. Zum 1. Mai wird sie durch die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt übernommen. Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs (SPD) betont, dass sich die Stadt nicht zurückziehen werde. Es sei vereinbart, dass die Pflege der Gedenkstätte weiterhin auf eigene Kosten bei der Stadt liege.

"Hier wurden Menschen einfach niedergeschlachtet", sagte Fuchs. "Das ist so kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs einmalig und wurde auch deshalb in die Gedenkstättenstiftung überführt, weil die wissenschaftliche Aufarbeitung, Aktualisierung und öffentliche Darstellung nun Experten übernehmen."

Die Stiftung will auf dem Gelände ein Besucher- und Dokumentationszentrum errichten, das einer Dauerausstellung Raum bietet. Rund 3,1 Millionen Euro Landesmittel stehen bis 2017 bereit.

Opfer sollen alle namentlich geehrt werden

"Insgesamt ist das Massaker schon relativ gut erforscht. Das heißt aber nicht, dass alles aufgearbeitet ist", sagte Direktor Kai Langer der Volksstimme. "Wir werden uns zum Beispiel die Grabanlagen noch einmal genauer ansehen." Jedes Opfer soll namentlich geehrt werden. An manchen Gräbern stehen bis heute nur Nummern. Über Forschungsprojekte in Konzentrationslagern sollen die Namen der Opfer in Erfahrung gebracht werden.

Auch über die konkreten Verläufe anderer Todesmärsche in Sachsen-Anhalt will die Stiftung in den nächsten Jahren mehr herausfinden. "Da gibt es im Land noch einige weiße Flecken", sagte Kai Langer. Bei vielen Todesmärschen sei bis heute nicht nachvollziehbar, welche Strecke die Häftlinge gehen mussten.

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