Unterkünfte

Laut aktuellen Zahlen aus dem Innenministerium Sachsen-Anhalt von 2014 wäre die neue Magdeburger Gemeinschaftsunterkunft die größte in Sachsen-Anhalt. Bislang war Harbke (Bördekreis) mit einer Kapazität von 390 Plätzen die größte im Land, gefolgt von der Grusonstraße Magdeburg mit 329 Plätzen. "500 ist eine echte Hausnummer", kommentierte ein Sprecher aus dem Inneministerium.

Magdeburg l Am Donnerstagabend hat der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung eine neue Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber beschlossen. Aus den Unterlagen, die der Volksstimme vorliegen, wird ersichtlich, dass die Stadt mit dem Berliner Unternehmen Lorenz Quartier GmbH einen Vertrag über zehn Jahre geschlossen hat. In den Häusern an der Münchenhofstraße sollen 500 Flüchtlinge und Asylbewerber Platz finden. Die ersten Bewohner sollen laut Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) in den kommenden Tagen einziehen.

"Wir werden die ersten Häuser in der kommenden Woche an die Stadt übergeben", bestätigte Ulrich Niggemeyer, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens. Laut Unterlagen beträgt der Preis pro Zimmer (20 Quadratmeter) 480 Euro im Monat*, die die Stadt übernimmt. Im April sollen die ersten 80 Zimmer angemietet werden, 120 weitere kommen im Mai dazu. Gesamtkosten für 2015: mehr als eine Million Euro. Für die volle Vertragslaufzeit kalkuliert die Stadt mit 11,5 Millionen Euro.

Der Handlungsdruck für Magdeburg ist groß. Allein im April werden rund 170 Flüchtlinge in der Landeshauptstadt erwartet. Pro Monat landen aktuell 137 Flüchtlinge in Magdeburg an. Weil die Stadt sich im März nicht zu deren Unterbringung in der Lage sah, wurden nur etwa 100 Flüchtlinge aufgenommen. Das bedeutet, dass im April zwischen 170 und 180 Neuankömmlinge erwartet werden.

Unterbringung und Versorgung der Menschen nennt Trümper "eine gigantische Aufgabe". Aktuell tagt bei der Stadtverwaltung wöchentlich eine Arbeitsgruppe, die sich damit befasst. Die Stadt habe "Riesenprobleme" kurzfristig genügend Wohnraum zur Unterbringung zu erschließen. Deshalb greife man nun auf das Angebot zur Anmietung der Objekte am Lorenzweg von einem privaten Eigentümer zurück. "Der Preis dafür ist eigentlich viel zu hoch, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Was sollen wir machen? Sonst müssten wir wirklich Turnhallen nehmen", kommentierte Trümper die immensen Kosten.

Im Stadtrat kam von der Linken der Vorwurf auf, Magdeburg lasse sich vom privaten Anbieter erpressen. Am Ende ging der Beschluss zur Anmietung aber bei nur einer Gegenstimme und vielen Enthaltungen (Linke) durch.

* Update: Es
handelt sich um eine Warmmiete inkl. Nebenkosten (Pauschale) für ein jeweils
möbliertes Appartement.