Rochau l Nein, ein Wachmacher sieht anders aus. Als "Auftakt in den Landtagswahlkampf" hatte die Alternative für Deutschland (AfD) ihren Landesparteitag angekündigt. Doch richtig motiviert dürften am Sonnabend wohl nur wenige Mitglieder aus dem Altmark-Dorf Rochau weggefahren sein. Knapp ein Jahr vor der Wahl reibt sich die AfD in Sachsen-Anhalt weiter in Struktur- und Personaldebatten auf.

Stundenlang stritten die Mitglieder über die Entlastung alter Vorstände und einzelne Personen des Landesverbandes. "Höhepunkt" der Strukturdiskussionen war tatsächlich eine 25-minütige Debatte darüber, ob die Partei einen E-Mail-Verteiler einrichten sollte, um gemeinsam über politische Themen diskutieren zu können.

Doch genau das, landespolitische Debatten von Angesicht zu Angesicht, kam am Sonnabend sehr kurz. Selbst Landesparteichef André Poggenburg ließ in seiner recht kurzen Rede jedes politische Statement vermissen. Er merkte lediglich an: "Wir alle haben gemerkt, dass die AfD in der medialen Außenwirkung als mit-sich-selbst-beschäftigt dargestellt wurde, als zerstritten. So ist es nicht." Man sei in einem "Findungs- und Entwicklungsprozess".

Der Führungsstil Poggenburgs ist umstritten. Kurz vor dem Parteitag wurde bekannt, dass Parteiausschlussverfahren gegen zwei Mitglieder aus Dessau eingeleitet wurden. Dort gibt es Streit um einen Stadtverband, die AfD-Landesspitze erkennt diesen nicht an. Die beiden Mitglieder wurden erst am Freitag darüber informiert, dass sie auf dem Parteitag kein Rederecht haben. "Was Herr Poggenburg macht, ist parteischädigend. Kritiker sollen mundtot gemacht werden", sagt eine der Betroffenen, Bärbel Schäfer. Poggenburg weist diese Vorwürfe zurück. Doch auch bei der Basis kommt das Gezänk nicht gut an. "Dieser Umgang ist kein Stil", sagt zum Beispiel Hartmut Hebestreit aus Magdeburg. "Die Partei beschäftigt sich zu viel mit sich selbst und zu wenig mit den Themen der Wähler."

Einer, der das ändern will, ist Steffen Schroeder. Der 23-jährige Politikwissenschaft-Student wurde gerade zum Chef der neu gegründeten Jungen Alternativen, der Jugendorganisation der AfD, gewählt. "Wir haben eine gute Chance, in den Landtag einzuziehen", sagt er. Die Junge Alternative will bei der Besetzung der Themen für den Wahlkampf die "Speerspitze" sein. Ein Schwerpunkt: Asyl- und Zuwanderungspolitik. Eine Abgrenzung gegenüber Rechtsextremisten ist ihm wichtig. "Wir müssen Flüchtlinge aufnehmen", stellt er klar.

Dass das offenbar nicht alle so sehen, wird später deutlich. Als die Mitglieder über die steigenden Flüchtlingszahlen in Sachsen-Anhalt sprechen, schlägt ein junger Mann plötzlich beide Hände vors Gesicht. Dann schüttelt er ungläubig den Kopf - und lacht in seine vorgehaltene Hand.

 

Bilder