Magdeburg l Die Islamische Gemeinde Magdeburg will gegen die Auflösung ihres Mietvertrages zum Jahresende Rechtsmittel einlegen. Das sagte der Gemeinde-Vorsitzende, Moawia Al-Hamid, der Volksstimme auf Nachfrage. Am 31. Dezember dieses Jahres läuft der Mietvertrag für die Gebetsräume in einer alten Baracke aus. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) wird den Vertrag nicht verlängern. Die Gemeinde-Mitglieder hatten das vor zwei Wochen aus der Zeitung erfahren.

Als Grund für die Nichtverlängerung nennt die Wobau die deutliche Überbelegung der Baracke. Bereits vor einem Jahr hatte die Volksstimme über die Zustände in der rathausnahen Immobilie berichtet. In Spitzenzeiten drängen 150 Muslime in das Gebäude, bis zu 400 müssen davor beten. Wegen wachsender Studentenzahlen und des Bürgerkriegs in Syrien gibt es immer mehr Muslime in Magdeburg. Die Gemeinde sucht deshalb seit Jahren in Magdeburg nach neuen Räumen zum Kauf.

Die Wobau hat der Gemeinde ein altes Heizhaus in der Innenstadt als Ausweichobjekt angeboten. Beide Parteien haben das Haus vergangenen Donnerstag erstmals gemeinsam besichtigt. "Ich denke, dass wir bei den Verhandlungen auf einem guten Weg sind", sagte Wobau-Prokurist Peter Lackner. Während zu Beginn nur von einem Mietangebot die Rede war, ist die Wobau bereit, über einen Verkauf des Heizhauses zu verhandeln. "Hier muss sich die Islamische Gemeinde aber beim Kaufpreis bewegen", sagte Lackner. Herzstück der Immobilie, die noch saniert werden muss, wäre ein 300 Quadratmeter großer Gebetsraum. "Es gibt auch islamische Banken, die bei der Finanzierung helfen könnten", sagte Lackner. Über den Preis ist noch nichts bekannt.

Beide Parteien wollen in 14 Tagen weiterverhandeln. Al-Hamid plädiert für einen unabhängigen Vermittler. "Wenn wir im Januar kein Gebetshaus mehr haben, beten wir auch im Freien", sagte er. "Manche denken, uns wurde ein Objekt gekündigt. Für uns wurde aber ein Gebetshaus gekündigt", so Al-Hamid.