Automatensprenger im Überblick
In Sachsen-Anhalt gab es im vergangenen Jahr 15 Automatensprengungen mit Gasgemisch. Sechs davon blieben im Versuch stecken. Deutschlandweit gab es 2014 etwa 100 Sprengungen.

Eine Serie von Automatensprengungen im Harz, Salzlandkreis und der Börde konnte von der Polizei 2014 aufgeklärt werden. Dazu müssen sich zurzeit zwei im Harz gebürtige Männer aus Magdeburg vor dem Magdeburger Landgericht verantworten. Ihnen werden fünf solcher Fälle vorgeworfen. Wegen der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion drohen ihnen Freiheitstrafen zwischen einem und 15 Jahren.

Vorsorge betreiben inzwischen viele Sparkassen und Banken, indem sie in die Tresorkassetten der Automaten Farbpatronen packen. Im Fall einer Sprengung werden die Scheine damit unbrauchbar. Die so gesicherten Automaten sind zur Abschreckung mit einem entsprechenden Aufkleber gekennzeichnet.

Magdeburg l Als die Kriminalisten des Polizeirevieres Jerichower Land im Herbst 2014 nach einer Automatensprengung in Jerichow eine wichtige Spur verfolgen, ahnen sie noch nicht, dass sie einige Monate später mit ihren Erkenntnissen eine der größten Serien in Deutschland aufklären würden.

Insgesamt 20 Fälle in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und sogar in Dänemark sind einer Bande aus Polen zugeordnet worden. Ein 26-Jähriger und ein 35-Jähriger sitzen inzwischen in Niedersachsen in Untersuchungshaft. Drei weitere Verdächtige wurden von den polnischen Behörden aufgespürt, erklärt Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch vom Revier Burg im Jerichower Land.

Zunächst stießen die Ermittler im vergangenen Sommer nach einer Automatensprengung in Drewitz bei Möckern das erste Mal auf die außergewöhnliche Vorgehensweise der Täter. Diese hatten dort mehr als 100000 Euro erbeutet. Das zuvor in Brandenburg gestohlene Fluchtfahrzeug entdeckte zwei Tage später ein Jäger im Wald. Es war mit Erde gefüllt. Dieses sollte zum Markenzeichen der Bande werden, denn auch nach der Sprengung eines Geldautomaten in der Sparkassen-Filiale Jerichow am 15. Oktober 2014 finden die Beamten kurze Zeit später das zuvor in Kiel gestohlene Auto im Wald. Wieder ist der Audi A6 mit Erde befüllt, vermutlich, um Spuren zu vernichten. Der damalige Leiter des Revierkriminaldienstes, Jürgen Oswald: "Wir sind der Spur des gestohlenen Autos gefolgt und auf Blitzerfotos in Flensburg gestoßen." Diese wurden dort von einer Verkehrsüberwachungskamera aufgenommen, doch der Fahrer hatte sein Gesicht mit der Hand verdeckt. "Das konnten wir uns nicht erklären. Es musste also vor dem Wagen schon ein anderes Auto geblitzt worden sein", sagt Oswald. Und so war es auch. In dem Fahrzeug mit polnischen Kennzeichen saßen zwei Männer. Die Stadt Flensburg schickte den Burger Beamten auch das Bild des danach geblitzten Autos, ebenfalls ein polnischer Wagen mit einer Person darin. "Mit den Adressen und Kennzeichen konnten wir etwas anfangen", sagt der Kriminalist. Weil es ähnliche Fälle auch in Brandenburg und Niedersachsen gab, arbeiteten die Behörden eng zusammen. Es konnte ermittelt werden, dass die Fahrzeuge ausgerechnet vor und nach Automatensprengungen immer wieder die Grenze zu Polen passierten.

Nach der dritten Tat in Sachsen-Anhalt in Wust-Fischbeck im Landkreis Stendal am 30. Oktober 2014 konnten die Ermittler zunächst keinen Zusammenhang mit den Verdächtigen herstellen. Das änderte sich aber schnell, als Beamte der Bundespolizei die beiden Fahrzeuge an der polnische Grenze wegen einer anderen Straftat stoppten. Der Fahrer musste eine Sicherheitsleistung zahlen. "Wir hatten für eine Festnahme noch keine ausreichenden Beweise und nur eine DNA-Spur", sagt Oswald.

Bei der nächsten Einreise nach Deutschland hefteten sich Spezialkräfte eines Einsatzkommandos aus Niedersachsen an die Männer. Sie konnten schließlich vor einigen Wochen in einer Bankfiliale in Lüthorst (Landkreis Northeim) die Polen auf frischer Tat festnehmen, noch bevor sie den Automaten sprengen konnten. Die Staatsanwaltschaft Göttingen beantragte Haftbefehl gegen den 26- und den 35-Jährigen. Insgesamt soll nach Auskunft des Fachkommissariates Bandenkriminalität in Lüneburg ein Schaden von rund drei Millionen Euro entstanden sein. Gegen die drei noch in Polen befindlichen Verdächtigen müsste ein internationaler Haftbefehl erstellt und durch die deutschen Behörden ein Auslieferungsantrag gestellt werden.