Kirche und Staat
Die bedeutendsten Kirchengebäude in Sachsen-Anhalt gehören nicht der Kirche, sondern dem Land - mittelbar oder unmittelbar. Die Dome in Magdeburg, Halberstadt, Halle und Havelberg sowie das Kloster Hamersleben werden von der Stiftung Dome und Schlösser unterhalten.

Eine staatliche Stiftung sind auch die Vereinigten Domstifter im Süden des Landes. Diese haben das Eigentum am Merseburger Dom, dem Naumburger Dom, der Marienkirche in Naumburg, dem Franziskanerkloster und der Michaeliskirche in Zeitz.

Unmittelbar im Landesbesitz befinden sich die Schlosskirche Wittenberg, die Polizeikirche im Dessauer Ortsteil Großkühnau sowie die Klosterkirche Hadmersleben.

Wittenberg l Bereits seit 500 Jahren wird der Sakralbau vom Staat finanziert: lange als Universitätskirche, seit 1817 als Ausbildungsstätte für Pfarrer. Im nächsten Jahr soll diese historisch überkommene Verpflichtung enden.

Neuer Eigentümer wird die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Es ist das erste Mal, dass sich Sachsen-Anhalt von einem Kirchengebäude trennt. Das Land steckt derzeit rund 7 Millionen Euro in die Sanierung des Baudenkmals, hat aber künftig keine Ausgaben mehr für den Unterhalt. Die bisherige Regelung sei "ein Relikt aus preußischen Zeiten", das jetzt vom Kopf auf die Füße gestellt werde, sagte Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD).

Die Schlosskirche sei der Geburtsort des Protestantismus, betonte EKD-Finanzdezernent Thomas Begrich. "Da ist es angemessen, wenn die EKD die Verantwortung dafür übernimmt." Zum Erntedankfest 2016 soll der Eigentümerwechsel rechtskräftig werden.

Finanzpolitiker im Landtag sahen die Vereinbarung anfangs mit Skepsis. "Ohne das Reformationsjubiläum hätten wir das sicherlich nicht gemacht", urteilt Eva Feußner (CDU). Die SPD-Abgeordnete Krimhild Niestädt sagte, ihre Bedenken seien inzwischen ausgeräumt, weil für das Land künftig sämtliche Unterhaltskosten wegfielen. Nicht überzeugt ist die Linke. "Der überwiegende Vorteil liegt bei der Kirche", erklärte der Finanzpolitiker Swen Knöchel. Aus seiner Sicht hätte die Schlosskirche in Landesbesitz bleiben sollen.

Die Schlosskirche steht seit 1996 als Welterbe-Stätte unter dem Schutz der Unesco. Ein besonders großer Besucherandrang wird für 2017 erwartet, das Jahr des Reformations-Jubiläums. Der Überlieferung nach hat Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt und so die Reformation ausgelöst.

Heute bekennen sich weltweit 800 Millionen Menschen zu protestantischen Kirchen.