Magdeburg l Landtagspräsident Detlef Gürth (CDU) hat sich in die Debatte um Zuwanderung eingeschaltet. Dies sei eines der "derzeit wichtigsten Themen", sagte er in einem Volksstimme-Gespräch. "Die allermeisten Menschen, die hier Zuflucht suchen, kommen aus den schlimmsten Nöten."

Da gebe es viele Parallelen zur Situation nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: "Damals waren die Eltern und Großeltern vieler Sachsen-Anhalter ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Heimat - mit nur dem, was sie auf dem Leib trugen. Auch deshalb stehen wir in einer ganz besonderen Pflicht, Menschen in großer Not zu helfen." Gürth sagte: "Wir werden Fremdenfeindlichkeit in Sachsen-Anhalt nicht dulden. Als Zivilgesellschaft müssen wir dagegen aufstehen. Wir dürfen den Dumpfbacken keinen den Raum geben, Ängste zu schüren."

Die Parole "Das Boot ist voll", sei absoluter Unsinn. Sachsen-Anhalt habe seit 1990 rund 600000 Einwohner verloren: "Und wir reden derzeit über ein paar Tausende Zuwanderer, die erwartet werden." Das Land und der Bund müssten jetzt dafür sorgen, dass die Kommunen die finanziellen Aufwendungen, die mit einer menschenwürdigen Aufnahme der Flüchtlinge zusammenhängen, stemmen könnten. Der Landtagspräsident betonte: "Wir wollen die Menschen, die zu uns kommen, integrieren, damit sie keine Fremden bleiben. Es würde überhaupt keinen Sinn machen, Familien, die über Jahre bei uns sein werden, in zentralen Unterkünften einzupferchen. Es geht zum Beispiel darum, ausreichend Deutschkurse anzubieten und schnellere Berufsanerkennungsverfahren, damit sie sich mit eigener Hände Arbeit eine Existenz aufbauen können. Viele wollen das auch."

Und weiter: "Wenn wir Familien in höchster Not helfen, ist das nicht nur das Gebot unseres Grundgesetzes oder des Humanismus. Es ist zugleich eine Chance für unser Land, wenn wir es nicht vergeigen."

Gürth fügte hinzu: "Wenn wir zu allen Industriemessen verkünden, dass Deutschlands Wirtschaftsstärke motivierte, qualifizierte Fachkräfte sind, dann stimmt das auch. Weil Qualifikation und Motivation nichts mit dem Reisepass zu tun haben, sollten wir - statt über Flüchtlinge zu lamentieren - qualifizieren." Denn: "Welchen Lebensstandard hätten Deutschland oder die USA heute ohne die Zuwanderer der letzten 100 Jahre?"

Erst vorige Woche hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) im Landtag in einer Regierungserklärung für Toleranz, Weltoffenheit und Menschlichkeit geworben.