Rund 60 Kirchen hat die SED-Führung sprengen lassen. Der Wittenberger Schlosskirche blieb dieses Schicksal erspart - ungeschoren kam sie dennoch nicht durch die DDR. Es waren die Kirchenfenster, die den Zorn der Genossen erregten.


Die farbigen Kunstwerke zeigten die Wappen von 200 Städten, die bei der Reformation eine wichtige Rolle gespielt hatten. Darunter allerdings nicht nur Magdeburg und Stralsund - sondern auch Köln und Konstanz, Breslau und Danzig.

Kurz nach dem Mauerbau ließ man diese Wappen entfernen - zerstörte damit aber zugleich das historische Lichtkonzept. Durch die neuen Weißglasscheiben fiel zu viel Licht. Bei Sonne waren nur noch schwarze Umrisse zu erkennen. 1983 sollten auch die letzten farbigen Fenster weichen. "Das ist ein Erbe des Kapitalismus, das kann weg", lautete der Auftrag an den Quedlinburger Glasmaler Frank Schneemelcher. Statt aber die Scheiben zu zerstören, schaffte er sie in seine Werkstatt. "Aus Handwerkerehre", sagt er.

Mithilfe dieser Fragmente und alter Fotos können die Fenster nun originalgetreu rekonstruiert werden. Die 400000-Euro-Spende eines Luther-Freundeskreises macht es möglich.

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