Magdeburg/Amman l Mit einem Festakt hat die GJU ihren zehnten Geburtstag gefeiert. 90 deutsche Hochschulen ermöglichen gemeinsam, dass nahe Amman 3800 Studenten nach dem anwendungsorientierten Modell einer deutschen Fachhochschule ausgebildet werden. Koordiniert wird das Ganze durch ein Projektbüro in Magdeburg.

Dessen Leiter Andreas Geiger, früher Chef der Hochschule Magdeburg-Stendal, spricht von einer Erfolgsgeschichte. "Wir bilden dort Macht- und Einflussträger aus, die sich später gern an Deutschland erinnern." Aus Jordanien und anderen arabischen Ländern wie Ägypten, Irak oder Jemen kommen die Studenten, die meisten aus wohlhabenden Familien. 3000 bis 4000 Euro Studiengebühren pro Jahr verlangt die GJU, die damit den Großteil ihrer Kosten deckt. 1,3 Millionen Euro jährlich steuert das Bundesforschungsministerium bei.

Zumindest bis 2016 - was danach passiert, ist offen. Geiger wirbt dafür, den deutschen Zuschuss zu verlängern. "Derart günstige Wirtschaftsförderung gibt es bei keinem anderen Projekt", sagt er.

Vor allem angehende Ingenieure und Architekten studieren an der GJU. Neue Angebote wie soziale Arbeit oder Abfallwirtschaft sind geplant. Der Ruf der Hochschule ist ausgezeichnet. In kurzer Zeit habe sie es an die Spitze der jordanischen Hochschulen geschafft, sagt stolz Nabil Ayoub, einer der Dekane, in einem aktuell produzierten Imagefilm.

König Abdullah ist ein Fan

Die GJU hat Freunde in höchsten Positionen. König Abdullah II. nannte sie bereits 2011 "eines der erfolgreichsten Projekte, die ich in meinem Land in den letzten zehn Jahren erlebt habe". Und GJU-Gründungspräsident Labib Khadra ist erst vor acht Wochen zum Wissenschaftsminister aufgestiegen.

Auf dem Campus 35 Kilometer südlich von Amman ist die weltweit größte universitäre Sprachschule für Deutsch entstanden. In den ersten drei Jahren läuft der akademische Betrieb noch größtenteils auf Englisch. Danach geht es ohne Deutsch nicht weiter: Jeder Student verbringt das vierte Studienjahr in Deutschland, davon die Hälfte an einer Hochschule, die andere Hälfte in einem Betrieb. "Viele müssen zum ersten Mal für sich selbst kochen und die Wäsche machen", berichtet Geiger. Sich in einem fremden Land zurechtfinden zu müssen, lasse die Austauschstudenten reifen.

Vom direkten Draht zwischen Magdeburg und Jordanien will indes auch die Hochschule Magdeburg-Stendal profitieren. Rektorin Anne Lequy hat bereits Verwaltungsmitarbeitern einen Auslands-Schock verabreicht - durch einen Besuch der GJU. "Das war ein Aha-Erlebnis", sagt Lequy, "ich möchte sie sensibel dafür machen, wie man sich in der Fremde fühlt." Denn künftig werde der Anteil ausländischer Hochschullehrer und Studenten in Magdeburg noch wachsen.

Gerade im Umgang mit Fremden sei Jordanien vorbildlich, sagt Lequy. Die Hälfte der Einwohner sind Flüchtlinge und deren Nachfahren.

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