Berlin | Berlin ist eine Weltstadt, die Probleme mit Sex hat. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dürfen Werbebotschaften nicht durch leicht bekleidete Frauen, die "sexuelle Verfügbarkeit" suggerieren, eingängiger gemacht werden. Bei den Grünen haben sich Freiwillige gemeldet, die in einer Arbeitsgruppe definieren sollen, was verboten gehört. Tiefe des Auschnitts? Laszives Lächeln? Röckchenlänge? Wir müssen uns Studienräte vorstellen, die alles genau inspizieren und definieren. Schließlich eifernd den Zensurstempel auf die Bikinischönheit der Nordsee-Werbung hämmern. Gruselig.

Die SPD will da nicht nachstehen. Die zukünftigen Weltpolitiker in der Provinz Mitte rätseln zurzeit darüber, wie ein Ampelfrauchen aussehen darf. Röckchen und Zöpfchen wie einst geht gar nicht. Könnte ja sexuelle Verfügbarkeit suggerieren oder die Geschlechterrolle so eindeutig definieren wie der Hut des Ampelmännchens. Hose und Absatzschuhe soll auch Frauchen tragen, sagt SPD-Fraktionschefin Martina Martischok-Yesilcimen. Nur wie erkennt man sie als Frau? Martischok-Yesilcimen will schließlich eine sichtbare Ampelquote, denn die Vormachtstellung des Männchens soll durch mehr Frauchen gebrochen werden. Da meldet sich die Gleichstellungsbeauftragte mit dem nächsten Sex-Problem. Was ist mit der diskriminierten Minderheit mit unbestimmtem Geschlecht? Wie mischt man Frauchen in Hosen, Herrchen mit Hut und Unisexampelzeichen und erreicht die Quote, ohne sexuelle Verfügbarkeit zu suggerieren? Eine politische Frage von Weltformat.