Halle l Ob in der Chemieindustrie, im verarbeitenden Gewerbe oder in der Gesundheitswirtschaft - in fünf Jahren werden hierzulande mindestens 80.000 Fachkräfte fehlen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Zentrum für Sozialforschung und die Bundesagentur für Arbeit in Halle am Donnerstag vorgestellt haben. Der Grund für den massiven Fachkräftemangel ist vorwiegend die Alterung der Bevölkerung.

Die Unternehmen können bis 2020 rund 54.600 Stellen von Mitarbeitern, die in Rente gehen, nicht wiederbesetzen. Die Arbeitsmarktexperten gehen außerdem davon aus, dass die Firmen auch neue Arbeitsplätze schaffen, so dass ein weiterer Fachkräftebedarf von etwa 23.300 Menschen hinzukommt.

Belegschaft in jedem fünften Betrieb veraltet


Die Ergebnisse beruhen auf der Annahme, dass bis 2020 das reale Renteneintrittsalter bei 67 Jahren liegen wird. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass viele früher in Rente gehen, aktuell liegt das Durchschnittsalter hierzulande bei 63 Jahren. Geht das Gros mit 65 statt 67 in Rente - was eine optimistische Annahme ist - vergrößert sich die Fachkräftelücke sogar auf 116.000 Stellen. Ein enormer Wert, denn zur arbeitenden Bevölkerung zählen bereits nur noch 735.000 Menschen.

Laut einer Umfrage der Forscher betrachtet jeder fünfte Betrieb seine Belegschaft als veraltet. Das Durchschnittsalter liegt bei ihnen bei 48 Jahren.

Unternehmen wollen Stellen wegrationalisieren


Die 634 befragten Unternehmen haben sich auch dazu geäußert, was sie künftig für die Fachkräftesicherung tun wollen. Zwei Drittel setzen auf die Weiterbildung von Mitarbeitern, die Hälfte will rationalisieren - also ihre Produktion mit weniger Beschäftigten organisieren. Sie hoffen auch, die Älteren länger halten zu können. Nur ein Drittel kann sich vorstellen, Fachkräfte mit höheren Löhnen und Gehältern zu locken.

Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt, hält eine Schließung der Fachkräftelücke noch für möglich. "Die Unternehmen müssen dafür jetzt aber alle Hebel in Bewegung setzen." Senius fordert, dass die Betriebe Arbeitslosen und Geringqualifizierten eine Chance geben sollten.

Zudem wären die Betriebe gut beraten, ihre Auszubildenden auch zu übernehmen. Derzeit liegt die Quote nur bei 59 Prozent, im Osten liegt sie sonst bei 63 Prozent. Auch bei den Löhnen sollten Unternehmen nicht geizen. Mit durchschnittlich 2235 Euro brutto wird in Sachsen-Anhalt monatlich vergleichsweise wenig gezahlt. Bundesweit liegt der Monatsverdienst bei 2960 Euro brutto.