Hoffen auf Werbeeffekte

Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts könnte wirtschaftlich vom Aufstieg des FCM profitieren, glaubt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). "Ich rechne vor allem mit einem Werbe-Effekt", sagte er am Dienstag. "Die Spiele des Clubs würden ja häufiger bundesweit im Fernsehen übertragen werden, sie würden nicht mehr nur im Regionalfernsehen zu sehen sein."

Ein Aushängeschild für die Stadt sei bereits der SC Magdeburg. "Wir werden inzwischen als Handball-Standort vielerorts wahrgenommen, das ist eine tolle Entwicklung."

Der Aufstieg der Fußballer könnte sich aber auch finanziell lohnen, so Trümper weiter. "Das Steueraufkommen könnte leicht ansteigen, und wenn mehr Fans ins Stadion kommen, könnte die Stadt als Stadioneigentümer die Unterhaltskosten besser decken." Generell halten sich die Auswirkungen des möglichen Aufstiegs laut dem OB aber in Grenzen. "Deutlich lukrativer wäre ein Aufstieg in die zweite oder erste Liga." (ms)


Mehr Besucher in Halle

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) würde den Aufstieg der Magdeburger begrüßen. "Sollte der Club den Sprung schaffen, wäre das eine Stärkung für den gesamten Ostfußball", sagte er am Dienstag. Reizvoll wäre der Aufstieg auch, weil es dann wieder ein Derby zwischen Magdeburg und Halle geben würde, so Wiegand. Der Hallesche FC hatte den Drittliga-Aufstieg bereits in der Saison 2011/12 geschafft, laut Wiegand hat sich dieser auch für die Stadt bezahlt gemacht. "Die Werbe-Wirkung ist nicht zu unterschätzen", so der OB. Der Fußballclub habe das Marketing für die Stadt erleichtert, gerade an Spieltagen verzeichne Halle mehr Besucher. "Zwar steht bei denen der Fußball im Vordergrund, aber manche Geschäfte profitieren auch." Nach Jahren in der dritten Liga wächst bei den Hallensern auch der Drang, in die zweite Liga aufzusteigen. "Die höhere Spielklasse wäre sowohl für den Verein als auch für die Region noch einmal deutlich attraktiver", so Wiegand. (ms)

Magdeburg l Mike Ristig sitzt am Montagnachmittag in einem Campingstuhl vor einem Fanladen im Magdeburger Stadtteil Stadtfeld. Zu ihm gesellen sich immer mehr junge Menschen, auch einige Familien sind dabei. Der Magdeburger hat extra seine Fahrstunden für den Lkw-Führerschein verschoben, denn er stellt sich auf eine lange Nacht ein. Erst am nächsten Morgen gegen 10 Uhr soll der Fan-Laden öffnen. Die Wartenden wollen alle noch eine der wenigen Karten für das Rückspiel am Sonntag in Offenbach ergattern.

Die Schlange am Laden wird immer länger. Es dämmert bereits. Damit es gerecht zugeht, zerteilt der Fan eine A4-Seite und vergibt Nummern. Danach darf in Ruhe und gemütlicher Runde gefachsimpelt werden - über die Mannschaft, den Aufstieg, der zum Greifen nahe ist. Indes bleiben auf der Straße immer wieder Autos stehen. Gleichgesinnte Fußballanhänger steigen aus, bringen den Wartenden Kaffee und spendieren auch einen Kasten Bier.

Kurz nach Mitternacht dann die Erlösung der geduldigen blauweißen Fans: Shop-Betreiber Andreas Müller zeigt Mitleid und verkauft die letzten 50 Karten vorzeitig. Die Freude ist auch bei Mike Ristig groß. Gegen 1 Uhr hält er eine davon in der Hand.

Das Herz schlägt blau-weiß

Diese Schlacht um Eintrittskarten, zumindest für das Hinspiel, haben Wanzleber Fans aus der Börde bereits gewonnen. Rüdiger Petrasch, Präsident des SV Blau-Weiß Empor: "Von uns werden 60 Leute zum Spiel fahren."

Ähnlich FCM-begeistert zeigt sich auch Detlef Zimmer, Sportvorstand des Burger BC 08. Sein Club hat den Aufstieg bereits geschafft - in dem Fall in die Verbandsliga. Jetzt drückt er dem FCM die Daumen: "Ich habe die erfolgreichen Jahre in den 70ern als junger Fußballer miterlebt. Mein erstes Flutlichtspiel im Stadion war die Europapokalpartie gegen Beroe Stara Sagora (Bulgarien)." Und auch heute fiebert Zimmer mit dem FCM mit.

Das gehört für Janet Stacke und ihren Mann Thomas aus Schönebeck ebenfalls bei jedem Spiel ihres Vereins dazu. Seit 2006 ist die heute 44-Jährige waschechter Fan des FCM. "Mein Herz schlägt blau-weiß", sagt sie deshalb mit Überzeugung. "Jedes Jahr hoffe ich, dass wir aufsteigen", berichtet sie. Eine Hoffnung, die ihrer Meinung nach beim heutigen Spiel in Magdeburg bewahrheitet wird.

Größter Fußballverein Sachsen-Anhalts

Mario Amling aus Arendsee im Altmarkkreis Salzwedel hat zum Beispiel für Mittwoch extra Urlaub genommen. Er ist der Vorsitzende des Fanclubs Altmark Nord. Normalerweise trifft er sich mit den 20 Mitgliedern seiner blauweißen Gemeinschaft bei Auswärtsspielen in seinem Haus am selbst errichteten FCM-Altar zum Spielabend und zu den Heimspielen in Magdeburg. "Diesmal haben aber nur sieben von uns Karten bekommen", sagt er.

Solche eingefleischten Anhänger hat der Club viele, sagt FCM-Fanbeauftragter Ralf Dobberitz. 54 Fanclubs gibt es, 42 kommen aus der Region. Der 55. dürfte in Kürze gegründet werden, der erste im Ausland. Der 60-jährige Vietnamese Khoa war 1974 Student in Magdeburg, begleitete vor kurzem einige Tage den Fanbeauftragten.

Der 1. FC Magdeburg ist der größte Fußballverein in Sachsen-Anhalt. Mit etwa 2000 Mitgliedern hat der Club doppelt so viele wie der HFC. Auch bei Facebook sind mit 28.000 Klicks doppelt so viele Nutzer erklärte Fans. Die Offenbacher reisen übrigens mit 28 Bussen an. Die Bundespolizei rechnet lediglich mit 20 bis 40 Bahnreisenden. Die Polizei ist mit mehreren Hundertschaften im Einsatz.

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