AMB - Hersteller für die Abfallwirtschaft

Seit 1989 fertigt AMB in Oschersleben Anlagen und Maschinen für die Abfall- und Entsorgungswirtschaft. 1991 kaufte ein Ehepaar aus Bremen das Unternehmen. Bis zur Insolvenz Ende 2012 blieb der Betrieb in Familienhand.

Die Exportquote von AMB lag vor der Zahlungsunfähigkeit bei 40 Prozent. Jährlich wurden rund zehn Millionen Euro Umsatz erzielt. An den Standorten in Oschersleben und Lemgo waren rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.

2014 kauften die Berliner Beteiligungsgesellschaft KV Capital um Geschäftsführer Clemens Vollmer für rund 1,5 Millionen Euro AMB. Kurz darauf konnten 46 Mitarbeiter die Arbeit wieder aufnehmen. (ba)

Oschersleben l Weil zwei Auftraggeber nicht zahlen konnten, rutschte der traditionsreiche Maschinenbaubetrieb schlagartig in die roten Zahlen. Mehr als zwei Millionen Euro fehlten in der Unternehmensbilanz - zu viel für den Mittelständler, der an Standorten in Oschersleben und Lemgo (Nordrhein-Westfalen) rund 100 Mitarbeiter beschäftigte. "Es war eine beklemmende Situation. Die Belegschaft war stark verunsichert und wusste nicht, wie es weitergeht", erinnert sich Andreas Landmann, der damals Konstruktionsleiter bei AMB war.

Heute ist Landmann Geschäftsführer von AMB Technology. Die Firma hatte im Insolvenzverfahren die Wirtschaftsgüter der zahlungsunfähigen AMB übernommen und so die Basis für den Neuanfang gelegt. Derzeit arbeiten 46 Mitarbeiter daran, dass die neue AMB an alte Erfolge anknüpfen kann.

Freischwimmen mit Lohnfertigungen


"Die Kernmannschaft ist nach wie vor dabei", sagt Landmann. Und auch die Nachfrage der Abfall- und Entsorgungsindustrie nach den Maschinen aus Oschersleben nimmt wieder zu. 2014 lag der Jahresumsatz bei rund drei Millionen Euro, in diesem Jahr rechnet Geschäftsführer Landmann mit fünf Millionen Euro Umsatz.

Der Neuanfang nach der Pleite gelang auch durch die partnerschaftliche Hilfe anderer Unternehmen. "Wir haben in der Zeit Lohnfertigungen für frühere Stahlbaulieferanten übernommen. Auch andere Firmen haben Aufträge abgegeben, mit denen wir uns über Wasser halten konnten", erklärt Landmann.

Mitte Mai des vergangenen Jahres kaufte die Berliner Beteilungsgesellschaft KV Capital für rund 1,5 Millionen Euro das Oschersleber Unternehmen. Zu der Firma, die sich an kleinen und mittelständischen Unternehmen beteiligt, gehört auch der Maschinenbauer Stotz Fredenhagen Industries aus Kornwestheim bei Ludwigsburg (Baden-Württemberg). "Wir haben im ersten Jahr mit AMB eine schwarze Null erreicht, damit sind wir sehr zufrieden", sagt Clemens Vollmer, einer der Geschäftsführer von KV Capital. In diesem Jahr soll bei AMB der Sprung auf außereuropäische Märkte gelingen, so Vollmer.

Nachwirkungen der Insolvenz


"Mit unserem Investor haben wir einen soliden Partner hinter uns. Mit Rückschlägen rechne ich nicht, aber wir müssen uns weiter anstrengen", sagt Landmann. Der Geschäftsführer ist dafür auch im Ausland unterwegs, besuchte in den vergangenen Monaten die Branchenmessen in Ankara (Türkei) und Shanghai (China). Vor der Insolvenz lag die Exportquote der Oschersleber bei rund 40 Prozent. Mehr als zwei Jahre danach kratzt AMB wieder an diesem Wert.

In den vergangenen Monaten ist unter anderem im österreichischen Salzburg eine Müllaufbereitungsanlage errichtet worden. Doch besonders bei der Kundenakquise spürt AMB noch die Nachwirkungen der Insolvenz. Nach der Pleite machte eine Tochterfirma in Lemgo, die sich um neue Aufträge gekümmert hatte, dicht. Viele Vertriebsingenieure schlossen sich Konkurrenten an. Verständlich, dass AMB in diesem Bereich noch Personal sucht.

Seit Jahren müssen immer weniger Unternehmen den Gang in die Insolvenz antreten. In Sachsen-Anhalt sank die Zahl der Firmenpleiten im vergangenen Jahr um 19,1 Prozent auf 573 und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als 15 Jahren.