Magdeburg. Der Abschluss des ersten Bürgerentscheids der Landeshauptstadt hat keinen Schlussstrich unter die jahrelange Debatte um den Wiederaufbau der Ulrichskirche gezogen.

Am Sonntag hatten sich 75 Prozent der Magdeburger gegen den Wiederaufbau ausgesprochen. Die im Krieg beschädigte Kirche war 1956 unter Protesten gesprengt worden. Ein Kuratorium wollte sie am alten Standort im Stadtzentrum spendenfinanziert wieder aufbauen. Eine andere Bürgerinitiative hatte dagegen einen letztlich erfolgreichen Bürgerentscheid angestrengt. Die Emotionen unter Gegnern und Befürwortern kochen dennoch weiter und gipfeln in wüsten Beschimpfungen im Internet.

Unabhängig davon gilt mit dem Bürgerentscheid eine neue Rechtslage. Der Stadtratsbeschluss, der den Kirchenbau "begrüßte", wird aufgehoben. Ein Jahr lang muss sich der Stadtrat an den Ausgang des Bürgerentscheids halten und darf keine gegenteiligen Beschlüsse fassen. Ebenso muss das Kuratorium den Ulrichplatz in seinen Urzustand versetzen. Die Initiative hatte mit Steinplatten den Kirchenstandort nachgezeichnet und in einem Container Werbung betrieben. Kuratoriumschef Tobias Köppe: "Wir haben den Wiederaufbau von unserer aktuellen Tagesordnung genommen. Den Grundgedanken geben wir aber nicht auf."

Oberbürgermeister und Wiederaufbaugegner Lutz Trümper (SPD) mahnte das Kuratorium, den Entscheid zu akzeptieren und den Wiederaufbau nicht mehr zu verfolgen. Außerdem lehnte er Suchschachtungen nach Fundamenten der Kirche als "unnötig" ab. Man wisse, was sich dort befindet.