Gut eine Woche vor der Landtagswahl liefern sich SPD und Linke ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei. Das gestern veröffentlichte ZDF-Politbarometer sieht sie bei jeweils 24 Prozent. Die SPD hatte in den Umfragen monatelang teils deutlich hinter den Linken gelegen. Unterdessen wird der Ton zwischen CDU und SPD rauer.

Magdeburg. Laut Politbarometer liegen die Christdemokraten derzeit bei 32 Prozent. FDP, Grüne und NPD balancieren auf der Fünf-Prozent-Hürde.

Bei den möglichen Regierungsbildungen wird eine Große Koalition einer rot-roten Allianz deutlich vorgezogen: Ein Bündnis aus CDU und SPD fänden 43 Prozent der Befragten gut, 24 Prozent wäre es egal, und nur 30 Prozent fänden es schlecht. Eine Regierung aus Linken und SPD fänden nur 27 Prozent gut, 22 Prozent wäre es egal, aber 47 Prozent fänden sie schlecht.

Die Spitzenkandidaten von CDU und SPD werden gleich gut bewertet: Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) bekommt auf der +5/-5-Skala ebenso einen Wert von 1,3 wie Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD). Der Spitzenkandidat der Linken, Wulf Gallert, wird mit 0,1 deutlich schlechter bewertet.

Bei der Frage, wen man nach der Wahl lieber als Ministerpräsidenten hätte, liegt Bullerjahn mit 32 Prozent vor Haseloff (30 Prozent). Nur 7 Prozent wollen Gallert am liebsten in diesem Amt.

Eine am Donnerstag von Infratest dimap veröffentlichte Umfrage sieht Haseloff im direkten Vergleich mit 33 Prozent knapp vor Bullerjahn (32 Prozent). Auffällig ist, dass Bullerjahn im Vergleich zu einer Umfrage im vorigen September neun Prozentpunkte verloren hat.

Laut ZDF-Politbarometer beschäftigt vor allem die Arbeitslosigkeit die Menschen. Für 64 Prozent ist es das wichtigste Problem. Danach folgt mit weitem Abstand das Thema Bildung und Schulen (14 Prozent). Wenn es darum geht, Arbeitsplätze zu schaffen, trauen 32 Prozent das am ehesten der CDU zu, 19 Prozent der SPD und nur sechs Prozent der Linken. Beim Thema Bildung und Schule liegt die SPD mit 30 Prozent in der Kompetenzzuweisung vor der CDU mit 17 Prozent und den Linken mit 16 Prozent.

Die ZDF-Wahlforscher gehen davon aus, dass die spezifischen Landesthemen bei der Wahlentscheidung im Vordergrund stehen. 57 Prozent der Wähler erklärten, dass Landespolitik für ihre Wahlentscheidung wichtiger sei als Bundespolitik. Für 38 Prozent der Befragten ist die Bundespolitik wichtiger.

Nach ZDF-Angaben sind die Wählerbindungen an die Parteien sehr schwach ausgeprägt, daher sind auch kurzfristig noch deutliche Veränderungen möglich. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es insbesondere bei Landtagswahlen eine sehr starke Mobilisierung in den verschiedenen Lagern in der Woche vor der Wahl gebe, heißt es. Das könne in Sachsen-Anhalt mit einer traditionell sehr niedrigen Wahlbeteiligung von großer Bedeutung sein. 2006 hatten nur 44,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – so wenige wie nie zuvor bei einer Landtagswahl.

Wie reagierten die Politiker? Jens Bullerjahn wollte sich nicht zu möglichen Präferenzen für eine Zusammenarbeit mit CDU oder Linken äußern. Der Parteivorstand werde am Abend nach der Wahl entscheiden, welche Gespräche geführt werden sollten. Bullerjahn kritisierte die Wahlkampfführung der CDU, die zu wenig auf Erfolge der schwarz-roten Regierung verweise. Die CDU warne immerzu vor einem rot-roten Bündnis und führe eine "Angstdebatte". Zudem habe sie in einem Zehn-Punkte-Programm überzogene Erwartungen geweckt. "Ich weiß, dass es viele in der SPD ärgert, wie die CDU Wahlkampf macht." Haseloff diffamiere die SPD, sagte Bullerjahn der Volksstimme. Und: "Er führt sich auf wie die Axt im Walde." Das hinterlasse Spuren bei der SPD.

Reiner Haseloff sagte dagegen, das am Donnerstag vorgestellte Zehn-Punkte-Programm sei als Konkretisierung des Wahlprogramms zu verstehen. Die CDU wolle die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der SPD fortsetzen. "Es gibt gute Gründe, dass wir in dieser Legislaturperiode zusammengearbeitet haben und auch in Zukunft zusammenarbeiten. Es ist die einzige Möglichkeit, den Konsolidierungskurs fortzusetzen." Die CDU müsse bis zur Wahl den positiven Trend weiter verstärken, sagte er der Volksstimme. Und an die Adresse von Bullerjahn gerichtet: "Ich gehe davon aus, dass er seiner Verantwortung für das Land und für eine stabile Politik gerecht wird." FDP-Spitzenkandidat Veit Wolpert warnte davor, "dass das politische Koordinatensystem nach links abdriftet".

Die SPD hatte in den Umfragen lange teils deutlich hinter der Linkspartei gelegen, zuletzt aber stetig aufgeholt. Im Herbst 2010 betrug der Rückstand der Sozialdemokraten auf die Linken noch neun Prozentpunkte. Die Sozialdemokraten schließen Rot-Rot nicht aus, aber nur unter Führung der SPD.

Bei der Landtagswahl im März 2006 hatte die CDU 36,2 Prozent erhalten, die Linke 24,1 Prozent, die SPD 21,4 Prozent, die FDP 6,7 Prozent und die Grünen 3,6 Prozent. Meinung