Sachsen-Anhalts Spielcasinos stehen möglicherweise vor einem erneuten Betreiberwechsel. Spielbanken-Chef Stefan Sadeh versucht, die erst im März 2010 vom Land erworbenen Spielbanken abzustoßen oder Geschäftsanteile zu verkaufen. Das Innenministerium prüft. Die Landesregierung entscheidet, ob sie dem zustimmt. Sie kann die Spielbank auch in Landeseigentum zurücknehmen.

Magdeburg. Geschäftsführer Stefan Sadeh sagte gestern der Volksstimme auf Nachfrage, dass er beabsichtige, die Lizenzen an die ausländische Investorengruppe Maxbet zu veräußern. Die Entscheidung liege nun bei der Landespolitik. Auf Einzelheiten wollte Sadeh nicht eingehen.

Bei der von Sadeh genannten Firma Maxbet handelt es sich laut Internet um einen Spiel- und Sportwettenanbieter mit Sitz in Serbien. Das für die Spielbankenaufsicht zuständige Innenministerium bestätigte erste Gespräche mit Sadeh. Allerdings würden potenzielle neue Investoren erst finanziell und konzeptionell überprüft, ehe über eine Veräußerung befunden werde, sagte Ministeriumssprecher Martin Krems auf Anfrage. So weit sei es noch nicht. "Derzeit prüft die Spielbankenaufsicht Unterlagen, auf deren Grundlage über die Zustimmung zu einer eventuellen Verkaufsabsicht entschieden werden könnte." Der Betriebsrat der Spielbank klang in einer ersten Äußerung fast erleichtert. "Wir sehen wohlwollend einer Veräußerung entgegen", sagte Betriebsratschef Hans-Ekkehard Stieglitz. "Es ist wichtig, dass ein Investor in die Zukunft investiert und nicht nur in den Erhalt."

Angekündigte Umbauten und Renovierungen hatte der private Investor bislang nicht umgesetzt. Angebotsverbesserungen, wie das Pokerspiel, gingen vor allem auf Initiative der Belegschaft zurück. Nach Unternehmensangaben sind seit der Privatisierung die Umsätze um 30 Prozent und die Besucherzahl um 25 Prozent gestiegen. Die Mitarbeitermannschaft vergrößerte sich von 80 auf gut 100 Beschäftigte.

Der Betriebsrat hatte eine Privatisierung lange Zeit abgelehnt, da seiner Ansicht nach die schwachen Umsätze im schlechten Management und nicht in der Eigentumsform begründet waren. Auch das Innenministerium war lange Zeit gegen den Verkauf, während sich das Finanzministerium von einer Privatisierung höhere Einnahmen durch die Spielbankabgabe versprach. Die Landesregierung entschloss sich Ende 2007 nach jahrelangem politischen Tauziehen dennoch, die landeseigene Spielbank GmbH mit den Casinos in Magdeburg, Halle und Wernigerode zu verkaufen. Nachdem einige marktbekannte Betreiber, wie Casino Austria, kein Interesse mehr zeigten, ging der Zuschlag an die Sybil-Group. Das Innenministerium behielt die Aufsicht. Der Käufer sollte die seit Jahren defizitären Casinos in Schwung bringen. Sybil war vor allem an der damit verbundenen Lizenz interessiert, in Vockerode nahe der Autobahn A 9 einen Hotel- und Casinokomplex (Las Vegas des Ostens) mit bis zu 1000 Arbeitsplätzen aufbauen zu dürfen. Der Übergang der Spielbank in die Privatsphäre geriet jedoch längst nicht so glamourös. So wurde der Kaufpreis von einer Million Euro nicht wie vereinbart im Januar 2010 überwiesen. Sybil-Geschäftsführer Sadeh brachte stattdessen im März einen Scheck ins Finanzministerium. Im Sommer 2010 geriet auch das 300-Millionen-Euro-Vorhaben in Vockerode ins Wackeln, da Sybil nicht in der Lage war, Grundstücks-Pachtraten von vergleichsweise lächerlichen 100 000 Euro zu bezahlen. Zum Jahresende löste Sybil seine Deutschland-Tochter auf. Ein nicht näher benannter Großinvestor für das Vockerode-Projekt sei abgesprungen. Das Projekt, so hieß es vom Unternehmen, sei lediglich zurückgestellt - man suche neue Investoren.

Doch offenbar klappt das nicht. In der Spielbank-Belegschaft denken viele, dass mit dem Wegfall des Vockerode-Geschäfts auch das Interesse des Betreibers am Betrieb der Casinos geschwunden ist.