Noch nie gab es so wenig Tote und Verletzte auf Sachsen-Anhalts Straßen wie im vergangenen Jahr. Das zeigen die Unfallzahlen 2010, die Innenminister Holger Hövelmann (SPD) gestern vorstellte. Allerdings ist die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle gestiegen.

Magdeburg. Die Straßen der Altmark seien keine "Todespisten" stellte Innenminister Holger Hövelmann gestern mit Blick auf mehrere schwere Verkehrsunfälle fest, bei denen innerhalb von sieben Tagen acht Menschen starben. Diese Ballung in einer Region sei "sachlich nicht zu erklären" und ein "ungewöhnlicher Zufall". Trotzdem machten es ihm gerade diese Unfälle schwer, eine "insgesamt gute Verkehrsunfallbilanz 2010" vorzustellen.

Hövelmann verwies darauf, dass 157 Menschen auf Sachsen-Anhalts Straßen starben. "Das ist der tiefste Stand, den wir je hatten." Allerdings sei "jeder Verkehrstote einer zuviel".

Mit Blick auf die EU-Vorgabe, die Zahl der Verkehrstoten zwischen den Jahren 2000 und 2010 zu halbieren, sagte er, dass Deutschland das Ziel zwar knapp verfehlen werde, Sachsen-Anhalt die Vorgabe mit einem Rückgang um 55 Prozent (2000: 344, 2010: 157) sogar überboten habe.

In einer Auflistung des Verkehrsunfallgeschehens (außerhalb von Autobahnen), aufgeschlüsselt in Landkreise, kreisfreie Städte und bezogen auf 100000 Einwohner, steht Magdeburg mit 536 an der Negativspitze, gefolgt vom Altmarkkreis Salzwedel mit 442 und Halle mit 439. Die beste Bilanz kann das Jerichower Land mit 311 Unfällen, gefolgt von Mansfeld-Südharz (333) und dem Saalekreis (351) vorweisen.

Mehr als 14500-mal "Unfallflucht"

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist 2010 im Vergleich zu 2009 gestiegen – um 3851 auf 83828. Sie liegt damit wieder etwas auf dem gleichen Niveau wie 2005 (84539). Seitdem hatte es Jahr für Jahr einen Rückgang gegeben – zuletzt auf 79977 Verkehrsunfälle.

Der Aufwuchs liege, so Sachsen-Anhalts oberster Verkehrspolizist Wulf Hoffmann, in erster Linie an den extremen Witterungsbedingungen im Januar/Februar und November/Dezember 2010. In diesen Monaten – so die Statistik – habe die Zahl der Unfälle deutlich sichtbar über der des Jahres 2009 gelegen. Allerdings seien die Unfälle auf schneeglatten Straßen zumeist glimpflich mit Blechschäden abgelaufen.

Dasselbe gelte für Unfälle beim Wenden und Rückwärtsfahren – häufig auf Parkplätzen. Zwar sei das die Hauptunfallursache – allerdings zumeist ohne Personenschaden.

In diesem Zusammenhang verwies Hoffmann auf "Fahrerflucht". Mehr als 14500-mal haben Kraftfahrer im vergangenen Jahr den Unfallort verlassen.

Nach B 6n-Anbindung mehr Unfälle

Zu den Hauptunfallursachen gehören weiterhin unangepasste Geschwindigkeit (mehr als ein Viertel der Unfälle mit schwerem Personenschaden), Vorfahrt (14,2 Prozent), Alkohol am Steuer (8,9 Prozent) und zu geringer Abstand (8 Prozent).

Wildunfälle (11919) gingen seit 1995 (4439) das erste Mal zurück. Sie lagen mit 14,2 Prozent am Gesamtunfallgeschehen etwa so hoch wie 2007 (11477/14 Prozent).

Angestiegen um ein knappes Viertel ist die Zahl der Autobahnunfälle. Waren es 2009 noch 4199, wurden im vergangenen Jahr 5224 Unfälle registriert. Hövelmann: "Entgegen den rückläufigen Gesamtzahlen bei Verletzten wurden auf den Autobahnen mehr Menschen verletzt. Die Zahl der Getöteten ging hingegen von 25 auf 16 zurück." Der Minister schätzte ein, dass es nach der Anbindung der B 6n an die A14 auch dort mehr Unfälle geben werde.

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