Magdeburg. Die Kamera-Autos des Internet-Konzerns Google werden bald auch in Sachsen-Anhalt unterwegs sein. Diese Fahrzeuge wurden weltweit bekannt, weil sie für den Geo-Dienst "Street View" (Straßenschau) Straßen und Häuser abfotografieren. Diese Datenerfassung ist nicht ganz unumstritten. Wer sein Haus nicht bei "Street View" sehen möchte, kann es unkenntlich machen lassen. Der Konzern Google stellt dafür ein Einspruchformular im Internet bereit.

Städte aus Sachsen-Anhalt sind derzeit noch nicht in "Street View" abrufbar. Google hat den Dienst in Deutschland erst Ende November 2010 gestartet. Unter den ersten 20 Städten war noch keine Stadt aus Sachsen-Anhalt dabei. Ob sich daran in den nächsten Monaten etwas ändern wird, ist unklar. Google informiert auch auf Nachfrage nicht darüber, welche Städte als nächstes in den "Street View"-Dienst aufgenommen werden.

Allerdings überraschte kürzlich der deutsche Produktmanager von Google, Raphael Leiteritz, mit einer Mitteilung in einem Google-Blog namens "Produkt Kompass". Darin kündigt Leiteritz an, dass "Street View"-Fahrzeuge in der Zeit von März bis Mai dieses Jahres in vielen deutschen Städten und Regionen unterwegs sein werden. Wo genau diese Fahrzeuge fahren, wird nach Bundesländern geordnet auf einer Google-Internetseite mitgeteilt. In Sachsen-Anhalt werden sie nach diesen Angaben schlichtweg überall unterwegs sein. Genannt sind die drei kreisfreien Städte Städte Dessau-Roßlau, Halle und Magdeburg und ausnahmslos alle Landkreise. Später sollen diese Daten auch noch aktualisiert werden, verspricht Google.

Auch Ladenschilder werden erfasst

Nach Angaben des Google-Produktmanagers dienen die Kamerafahrten nicht dazu, kontinuierlich Straßenaufnahmen zu machen. "Wir haben derzeit keine Pläne, die aufgenommenen Bilder in Street View darzustellen", schreibt Leiteritz. Vielmehr plane Google, die Fotos auszuwerten, um den Google-Online-Kartendienst "Google Maps" mit weiteren Details anzureichern und vorhandene Daten zu überprüfen. Leiteritz: "Wir nutzen die Bilder, die wir mit Hilfe von Autos fotografieren, um Straßennamen und Schilder korrekt anzuzeigen. Dadurch können wir in den Karten zum Beispiel auch auf Einbahnstraßen hinweisen." Erfasst werden auch Ladenschilder, um lokale Geschäftseinträge im "Google Maps"-Dienst auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Erhoben werden auch räumliche 3-D-Umrisse von Gebäuden, die später dabei helfen sollen, die Navigation in "Google Maps" fürs entsprechend ausgestattete Handy zu ermöglichen.

Google war 2010 in die Kritik geraten, weil bei solchen Kamera-Fahrten auch Informationen über WLAN-Netze in Privathaushalten aufgenommen wurden. Angeblich um diese Daten zur Standortbestimmung mit Hilfe von Funknetzwerken auszuwerten. Die Firma musste im Herbst 2010 allerdings einräumen, dass in ihren Fahrzeugen auch Nutzerdaten zu unverschlüsselten WLANs mitgeschnitten wurden – darunter waren auch Passwörter und Mails. Google stoppte daraufhin umgehend die Street-View-Fahrten weltweit und ermöglichte Kontrollen der "Street View"-Autos. Heute soll es keine WLAN-Scanner in diesen Kamera-Fahrzeugen mehr geben.

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