Von Wolfgang Schulz

Magdeburg. Die Zahngesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Sachsen-Anhalt ist abhängig von der Schulform und der Trägerschaft sowie von dem Sozialstatus der Familien, aus denen die Kinder kommen. "Das bedeutet, dass Schüler in Bildungseinrichtungen mit niedrigerem Niveau und aus sozialschwächeren Elternhäusern schlechtere Zähne haben als Gymnasiasten und Kinder, deren Eltern nicht Hartz-IV-Empfänger sind", sagte gestern Dieter Hanisch, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung von Sachsen-Anhalt (KZV), auf einer Beratung mit Zahnärzten in Magdeburg.

Diese grundlegenden Feststellungen, abgeleitet von den Ergebnissen der jährlichen zahnärztlichen Reihenuntersuchungen in Kindertagesstätten und Schulen, müssten künftig verstärkt in die Maßnahmen zur Verbesserung der Zahngesundheit einfließen, sagte Hanisch. Die KZV und die Zahnärztekammer wollen im engen Zusammenwirken mit den Gesundheitsämtern erreichen, dass die Aufklärungsarbeit weiter forciert wird. Die Zahnärzteschaft habe mit ihren Anstrengungen in der Gruppen- und Individualprophylaxe wesentliche Ergebnisse zur Umsetzung des Gesundheitsziels "Verbesserung der Zahngesundheit" erreicht, so der KZV-Chef. Gerade weil die Zahngesundheit in einem komplexen und vielfältigen Wirkzusammenhang stehe, sei es wichtig, Eltern, Kindertageseinrichtungen und die Schulen zahnärztlich zu betreuen und zu beraten.

Eine beispielhafte prophylaktische zahnärztliche Betreuung der Kinder und Jugendlichen gibt es im Bördekreis. Besonders im ehemaligen Ohrekreis, der zum heutigen Bördekreis gehört, werden seit vielen Jahren die Kinder regelmäßig untersucht und die Ergebnisse dokumentiert.

Vorsorge splitten

Der Leiter des Gesundheitsamtes in Haldensleben, Dieter Heese, berichtete vor den Zahnärzten über die erfolgreichen präventiven Maßnahmen in seinem Beritt. Er stellte fest, dass die Zähne der Kinder in der reichen Gemeinde Barleben gesünder seien als die der Kinder in Oschersleben. Außerdem hätten die Schüler einer Schule in freier Trägerschaft in Barleben gesündere Zähne als die Schüler der benachbarten Sekundarschule. Heese regte an, die begrenzten Kapazitäten für die Zahnprophylaxe zu splitten. "Nicht in jeder Schule zweimal im Jahr eine zahnärztliche Reihenuntersuchung durchführen, sondern lieber an den Gymnasien nur einmal, dafür an Bildungseinrichtungen mit niedrigerem Niveau drei- bis viermal pro Jahr nach den Zähnen schauen", sagte er.

Ein großes Problem stelle in Sachsen-Anhalt, hieß es auf der gestrigen Beratung, die Gesundheit der Milchzähne dar. Hier seien die Werte deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt. Viele Eltern unterschätzten die Bedeutung der "ersten Beißerchen", weil die doch nur rausfallen würden. "Der Gesundheitszustand des Milchgebisses ist ausschlaggebend für den Gesundheitszustand des Dauergebisses", sagte Zahnärztin Heidrun Petzold, die in der Zahnärztekammer für die präventive Zahnheilkunde zuständig ist und wesentlich zur Aufnahme der Zahngesundheit als Gesundheitsziel beigetragen hat. Die Eltern dürften daher die Zahnprophylaxe bei Vorschulkindern keinesfalls vernachlässigen.

 

Bilder