Die Volksstimme dokumentiert den ersten Untersuchungsbericht des Bundesverkehrsministeriums vom 31. Januar 2011 in Auszügen:

"Am 29.01.2011 um ca. 22.30 Uhr sind auf der Strecke Magdeburg – Halberstadt im eingleisigen Streckenabschnitt bei Hordorf der Personenzug 80876 des Harz-Elbe-Expresses (HEX) und der Güterzug DGS 69192 (ein mit Kalk beladener, von zwei Diesellokomotiven bespannter Güterzug der Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter, VPS) zusammengestoßen. Der Personenzug HEX 80876 sollte aus Richtung Oschersleben kommend in der Überleitstelle Hordorf vom eingleisigen Streckenabschnitt Oschersleben – Hordorf auf den zweigleisigen Streckenabschnitt in Richtung Halberstadt übergeleitet werden. Für diese Zugfahrt war die Fahrstraße eingestellt, d. h. das Hauptsignal A stand auf Fahrt, und die Weiche 1 lag in der erforderlichen Stellung.

Der Güterzug DGS 69192 kam aus Richtung Halberstadt und sollte … die Durchfahrt des Personenzuges abwarten. Der Güterzug passierte aber sowohl das Einfahrvorsignal in der Stellung "Halt erwarten" sowie das anschließende Halt zeigende Hauptsignal B, ohne diese zu beachten, und hat die für die Zugfahrt des HEX eingestellte Weiche aufgefahren. Der Fahrdienstleiter im Stellwerk Hordorf hat ausgesagt, dass er daraufhin noch über Zugbahnfunk einen Nothaltauftrag abgegeben hat. Nach erster Grobauswertung des Fahrtenschreibers des HEX 80876 hat der Triebfahrzeugführer noch eine Schnellbremsung eingeleitet, die den Personenzug von ca. 98 km/h auf ca. 66 km/h beim Zusammenstoß abgebremst hat. Beide Züge sind kurz hinter der Überleitstelle zusammengestoßen. Durch den Aufprall entgleiste der HEX-Triebwagen und kippte neben der Strecke um; der vordere Zugteil wurde fast vollständig zerstört. Der Güterzug kam nach ca. 500 Metern zum Stehen.

Im Personenzug befanden sich ca. 50 Reisende, 10 Personen wurden tödlich verletzt, darunter der Triebfahrzeugführer und eine Zugbegleiterin, 18 Reisende wurden schwer verletzt und 25 Reisende leicht verletzt.

An den Rettungsmaßnahmen waren Einsatzkräfte aus der ganzen Region beteiligt.

Der Güterzug war mit Doppeltraktion (2 Triebfahrzeuge) bespannt. Am Zug wurden keine augenscheinlichen Mängel festgestellt.

Zur Sicherungstechnik der Strecke: Gemäß § 15 Absatz 2 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) sind Strecken mit einer zulässigen Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h mit einer Zugbeeinflussung auszurüsten, durch die ein Zug bei unzulässigem Überfahren eines Halt zeigenden Signals selbsttätig zum Halten gebracht wird.

Für die Strecke Magdeburg – Halberstadt mit einer zulässigen Geschwindigkeit von max. 100 km/h hat sich die DB AG im Jahr 2007 im Rahmen eines Sofortprogramms für definierte Strecken selbst verpflichtet, diese mit einer Zugbeeinflussung auszustatten. Ziel ist es, das Sicherheitsniveau dieser Strecken schnellstmöglich zu erhöhen. Diese Ausrüstung ist auf dieser Strecke schon weitgehend erfolgt und soll im Jahr 2011 abgeschlossen werden. Allerdings ist der Abschnitt bei Hordorf noch nicht mit Zugbeeinflussung ausgerüstet. Aktuelle Angaben zu Strecken, die nicht mit Zugbeeinflussung ausgerüstet sind, liegen bei den Netzbetreibern vor. Die DB Netz AG ist hierzu angefragt worden und wird diese Angaben für ihre Strecken übermitteln." (wb)