Schönebeck. Bunte Bühnenklamotten aus den 1960er Jahren und Mikrofone Marke Eigenbau – die Sonderausstellung "Ein Leben mit der Musik" im Kreismuseum Schönebeck ist – um im Bild zu bleiben – ein echter Hit. Die seit November 2010 gezeigte Schau über die Kleinkunstmusikszene zwischen Bernburg und Magdeburg in der DDR hat sich zum Publikumsmagnet entwickelt. Gestern wurde mitgeteilt, dass die Ausstellung bis zum 20. Februar verlängert wird.

Über 60 Leihgeber – vor allem ehemalige Musiker – haben in ihren ganz privaten Archiven gestöbert und herrliche Andenken der Beat-Ära zur Verfügung gestellt. Initiator war die "Musiker-Gilde" aus Bernburg. Gestaltet hat die Ausstellung maßgeblich Torsten Sielmon vom Schloss-Museum Bernburg. Zu bewundern gibt es nicht nur Werbe-Hänger, Gitarren, Keyboards, Fotos, Plattencover und Zeitungsausschnitte. Auch der originale Schriftverkehr zwischen Kulturhäusern, Kreisräten und Musikern in der ganzen Pracht seiner sozialistisch-bürokratischen Verschrobenheit ist heute sehr amüsant zu lesen.

Rüdiger Radicke, Leiter des Kreismuseums in Schönebeck, war früher auch mal Rocker. "Bis hier hin", zeigt er schmunzelnd unterhalb seiner Schulter, trug er mal die Haare. Damals ging es bevorzugt montags in den "Kreml", ein inzwischen abgerissenes Kulturhaus in Schönebeck. Die Lieblingsbands von Rüdiger Radicke hießen "Team 77" und "Marathon". Angesagt waren in Schönebeck auch die Magdeburger Kapellen "Klosterbrüder" und "Reform".

Viel verdient haben die Musiker damals nicht. In der Ausstellung hängt eine Vergütungs-übersicht. Die Gage in der "Mittelstufe" betrug fünf Mark pro Stunde und Musiker. Wer den Titel "Hervorragendes Amateurtanzorchester der DDR" trug, bekam 1,50 Mark Sonderzuschlag. Aber natürlich gab es wichtigeres als Geld: Bier und gute Laune zum Beispiel. Auch und besonders davon erzählt die Ausstellung in Schönebeck – am Dienstag, Donnerstag und Sonntag jeweils von 13 bis 17 Uhr.