Beschlagnahmte Kampfhunde haben 2010 zunehmend Löcher in die Finanzkassen von Kommunen gerissen. So müssen in Magdeburg Hunde in privaten Pensionen untergebracht werden, weil die Plätze im städtischen Tierheim nicht mehr ausreichen. Staßfurt rechnet 2011 mit Ausgaben in Höhe von 20 000 Euro.

Magdeburg. Im März 2009 ist das "Kampfhundegesetz" von Sachsen-Anhalt in Kraft getreten. Hundehalter von als potenziell gefährlich eingestuften Rassen müssen danach Auflagen erfüllen. So ist vorgeschrieben, dass sie eine Versicherung abschließen, das Tier muss mit einem Chip gekennzeichnet sein und einen behördlich überprüften Wesenstest ablegen.

Im September 2010 kam nach der Beißattacke eines Rottweilers in Zörnigall (Landkreis Wittenberg) ein dreijähriger Junge ums Leben. Rottweiler werden bislang nicht zu den gefährlichen Hunden gezählt. Dieser Vorfall war aber offenbar Anlass, dass viele kommunale Behörden im Herbst das neue Landesgesetz sehr restriktiv durchzusetzen begannen. Mit der Folge, dass inzwischen eine regelrechte Flut von beschlagnahmten Kampfhunden die kommunalen Kassen belastet.

In Magdeburg gab es seit Inkraftreten des Gesetzes etwa 80 Beißattacken von Hunden, die behördlich untersucht wurden – Attacken nicht nur von als gefährlich eingestuften Hunden. Bei einem Drittel dieser Fälle wurden Menschen gebissen. 40 dieser Hunde mussten eingezogen werden. Bei weiteren 37 Hunden haben die Halter bislang nicht den vorgeschriebenen Wesenstest mit ihren Hunden absolviert. Hier laufen derzeit Erzwingungsverfahren, teilte die Stadt mit. Gegen acht Hundehalter liegen "vollziehbare Wegnahmeverfügungen" vor. Die Beschlagnahme dieser Hunde steht unmittelbar bevor. Mit 120 weiteren Haltern gefährlicher Hunde gibt es keine Probleme. Sie legten mit ihren Tieren den Wesenstest ab.

Das Tierheim von Magdeburg kann derzeit keine weiteren Tiere, die den Kampfhunderassen zugerechnet werden, mehr aufnehmen. Aktuell befinden sich fünf Hunde in privaten Pensionen. Kosten pro Tag und Hund: etwa zehn Euro. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) beklagt: "Nimmt man die Kosten hinzu, die entstehen, weil vier Mitarbeiter ständig mit der Kampfhundeproblematik beschäftigt sind, kommen wir auf Unkosten von einer viertel Millionen Euro im Jahr 2010." Trümper fordert mehr finanzielle Unterstützung vom Land und ein generelles Zuchtverbot. Versuche, die Kosten über Mahnverfahren von den Haltern zurückerstattet zu bekommen, laufen meist ins Leere. Trümper: "Diese Leute haben überwiegend kein Geld."

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Staßfurt. Oberbürgermeister René Zok (parteilos): "Wir rechnen 2011 mit zusätzlichen Kosten von 20 000 Euro." 21 gefährliche Hunde sind in Staßfurt registriert, fünf wurden schon durch Beißattacken auffällig. Drei Hunde mussten eingezogen werden, zwei davon sind in privaten Pensionen untergebracht.

In Stendal wurden bislang 47 gefährliche Hunde ermittelt, teilte das Ordnungsamt mit. Sieben Hunde mussten dort eingezogen werden. 13 700 Euro Kosten entstanden dadurch 2010 in Stendal.

"Das kann so nicht weitergehen", sagt Jürgen Leindecker, Landesgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes. "Mir hat schon ein Bürgermeister gesagt, er werde bald mehr Geld für Kampfhunde als für seine Kindertagesstätte ausgeben." Auch Leindecker fordert einen finanziellen Ausgleich durch das Land.

Innenminister Holger Hövelmann (SPD) fordert die Kommunen auf, den Haltern die Unkosten der beschlagnahmten Hunde in Rechnung zu stellen. "Es ist weder die Aufgabe des Landes noch der Städte, für diese Hunde das Futter zu bezahlen." Das Gesetz sei grundsätzlich gut. "Ich bin zufrieden, dass die Auswirkungen jetzt sichtbar werden", so der Innenminister.Meinung I