17-Jährige dürfen hierzulande schon seit vier Jahren Autofahren. Das Modell gilt als Erfolg, denn die jungen Fahrer sind in den Prüfungen erfolgreich und bauen weniger Unfälle. Doch in den Städten will den "Führerschein mit 17" kaum jemand haben.

Magdeburg (dpa). Sachsen-Anhalts Jugendliche fahren voll auf den "Führerschein mit 17" ab – zumindest wenn sie auf dem Land wohnen. In den größeren Städten hingegen interessieren sich dafür nur sehr wenige Jungen und Mädchen, ergab eine Umfrage der dpa. Die Fahrschulen berichten von überwiegend positiven Erfahrungen mit den jungen Schülern. Das begleitete Autofahren, das seit Anfang 2007 in Sachsen-Anhalt möglich und seit 2011 bundesweit Standard ist, wirkt sich auch auf andere Führerscheine aus: Kaum jemand im Land möchte mehr die A1-Klasse für kleine Motorräder erwerben.

Während sich bei Fahrschulen in Halle und Magdeburg nicht einmal jeder zehnte Fahrschüler für den "Führerschein mit 17" anmeldet, sind es in kleineren Orten wie in Dähre (Altmarkkreis Salzwedel) oder Wahrenberg (Landkreis Stendal) bis zu drei Viertel aller Fahrschüler. "Auf dem Land nutzen die Jugendlichen den Vorteil aus, dass sie mit dem Führerschein gleich auch Moped fahren dürfen", erklärt sich die Magdeburger Fahrlehrerin Veronika Hohmann den Unterschied. Im Landesdurchschnitt betrug der Anteil der "Führerscheine mit 17" an allen Autoführerscheinen im Jahr 2010 knapp ein Drittel.

Das Modellprojekt "Betreutes Fahren" hat sich mittlerweile etabliert. Der Ansturm auf die Fahrschulen, der nach der Einführung vor vier Jahren herrschte, ist vorüber. Viele Fahrschulen melden sogar sinkende Zahlen – und zwar für alle Führerscheinklassen. "Da es hier sehr viele Arbeitslose gibt, ziehen die jungen Leute weg und machen dort ihren Führerschein", klagt etwa Mandes Nadler von der Fahrschule Enterprise in Dessau. Ungünstig für die Fahrschulen ist auch, dass sich viele den A1 Führerschein für kleine Motorräder sparen.

Beim Autofahren stellen sich die jüngeren Fahrschüler nicht schlechter an als die älteren – oft ist sogar das Gegenteil der Fall. "Die jüngeren Bewerber kriegen das lockerer und schneller hin als die ältere Generation. Bei ihnen ist mehr Motivation vorhanden als wenn die Eltern irgendwann sagen: Mach mal einen Führerschein", erzählt Nadler. Die Zahlen bestätigen seine Beobachtungen: Laut Dekra sind sie vor allem bei der theoretischen Prüfung erfolgreicher. Allerdings müssten sie in der Praxis manchmal etwas mehr üben, ergänzt Fahrlehrer Jörg Lüdicke aus Wahrenberg, da sie keine Erfahrungen vom Mofa- oder Rollerfahren mitbrächten.

Weiterhin geübt wird auch mit dem 17er-Führerschein in der Tasche. Denn das offiziell betitelte "Begleitete Fahren" bedeutet, dass die Jugendlichen bis zu ihrem 18. Geburtstag das Auto nur mit einem erfahrenen Mitfahrer lenken dürfen. "Muttis sind meist die besseren Mitfahrer, denn es benötigt eine gewisse Gelassenheit, um mitfahren zu können", berichtet Fahrlehrer Thomas Dornfeld aus Halle. "Vatis haben mehr Angst und fühlen sich oft als Laienfahrlehrer. Dann sind die Kinder wirklich überfordert, wenn sie zu 100 Prozent Autofahren und dann kommt noch 30 Prozent Vati hinzu."