Im Halberstädter Dom haben am Sonnabend mehr als 800 Menschen der Opfer des Zugunglücks von Hordorf gedacht. Gekommen waren neben Opfern und Angehörigen der Verletzten und der Toten viele Helfer in ihren Uniformen sowie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), Landesbischöfin Ilse Junkermann und Bischof Gerhard Feige.

Halberstadt. Der Dom zu Halberstadt ist bis zum letzten Platz gefüllt. Selbst in den Gängen links und rechts sowie auf dem freien Platz bis zur Eingangstür stehen die Trauergäste. Viele von ihnen in den Uniformen der Helfer: Notfallseelsorger, THW, Feuerwehr, Rettungssanitäter. Wenige Minuten vor elf Uhr beginnt die Domorgel getragen zu spielen. Erst einzelne, verhaltene Glockenschläge, dann immer lauter werdend, lassen die gedämpften Gespräche in dem 800 Jahrhunderte alten Sakralbau verstummen.

Superintendantin Angelika Klädow: "Meine Seele ist zu Tode betrübt." Die Menschen stünden "verwundet, verstört und fassungslos" vor dem Zugunglück vom 29. Januar, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen, 23 zum Teil schwer verletzt wurden. Tränen, leises Weinen hinter Tüchern und den vors Gesicht geschlagenen Händen. Nicht nur bei den direkt Betroffenen – den Opfern, deren Familien und Freunden, die betreut von Unfallseelsorgern auf den ersten Bänken auf der rechten Domseite Platz genommen haben – auch bei vielen anderen Trauergästen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer: "Wir trauern gemeinsam um die Toten." Dann wendet er sich dem Leid der Verletzten zu. Selbst wenn die körperlichen Verletzungen wieder heilten, blieben doch die psychischen. "Seelisch Verwundete leiden still, aber auch sie leiden und brauchen Hilfe." Er mahnt, dass die Aufklärung des Unfalls "den wirklichen Experten überlassen" werden sollte, und sagt, dass er kein Verständnis dafür habe, wenn innerhalb der politischen Diskussion mit Unfallszenarien argumentiert werde.

Seinen Dank spricht Böhmer den Hilfskräften aus: 115 Einsatzkräften der Feuerwehr, mehr als 100 Polizisten, 86 Mitgliedern der Rettungsdienste, Helfern vom THW sowie den Notfallseelsorgern und -helfern.

Es schließt sich der bewegendste Teil der Trauerfeier an. Pfarrer Friedrich von Biela vom Oschersleber Notfallteam, der selbst in Hordorf half, deutet auf das hölzerne Kerzenkreuz, das vor dem Altar liegt: "Wir werden nun zehn Kerzen an der Osterkerze entzünden und auf das Kreuz stellen – für jeden Getöteten eine." Getragene Musik, gefühlvoller Chorgesang. "Im Dunkel der Nacht, entzünde das Feuer ...". Nach und nach schreiten Notfallhelfer an den Sitzreihen der Betroffenen vorüber, halten Docht an Docht und stellen die Kerzen auf.

Landesbischöfin Ilse Junkermann sagt, dass "nichts mehr so ist wie es war". Vieles sei "unaussprechlich", doch gebe es eine Sprache, die jeder verstehe, "die des Lichts der Kerze". Mit Blick auf das Kerzenkreuz: "Es sagt: Ihr seid in eurem Tod nicht allein." Dann wendet sie sich in ihrer Predigt dem Lokführer zu, gegen den ermittelt wird: "Kein Mensch ist vor falschen Entscheidungen gefeit."

In der Fürbitte, die Bischof Gerhard Feige, flankiert von Helfern, hält, bittet die Trauergemeinde für die Opfer, ihre Angehörigen, die Helfer – und den Lokführer. "Wir befehlen ihn deiner Barmherzigkeit an." Der Dom: "Kyrie eleison" (Herr, erbarme dich).

Stille. Einzelne, verhaltene Glockenschläge, die dann immer lauter werden. Meinung I

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