Wie viele Menschen an welchen Orten in Deutschland leben, ist trotz Einwohnermeldeämter nicht genau bekannt. Deswegen gibt es im Mai eine Volkszählung. Für Sachsen-Anhalt ist der "Zensus 2011" ein besonderer Kraftakt.

Magdeburg/Halle (dpa). Die große Inventur des Landes steht an: Bei der Volkszählung im Mai werden die Menschen in Deutschland erfasst und zu ihren Lebensumständen befragt. Dazu werden nicht nur alle Gebäude gezählt, sondern auch 254 000 Menschen allein in Sachsen-Anhalt befragt. 8,5 Prozent der Bewohner müssen Auskunft zu ihrem Alter und Familienstand, zum Beruf und Bildungsstand geben – und freiwillig auch zur ihrer Religion.

Die Vorbereitungen für dieses bürokratische Mammutwerk laufen nicht überall im Land fehlerfrei. Außerdem haben die Städte in Sachsen-Anhalt mit der Landtagswahl am 20. März und teils auch mit der Gemeindegebietsreform ohnehin schon viel zu tun.

Seit zwei Jahren schon bereitet sich das Statistische Landesamt auf den "Zensus 2011" vor. 24 Millionen Euro soll die Volksbefragung am Ende Land und Kommunen kosten: für zusätzliches Personal beispielsweise oder für Technik und spezielle Computerprogramme, die entwickelt, installiert, getestet und geschult werden müssen. 37 Erhebungsstellen wurden für die große Befragung in Sachsen-Anhalt eingerichtet, erklärt Renate Tewes vom Landesamt.

Eine dieser Erhebungsstellen befindet sich im Amt für Statistik in Magdeburg. Amtsleiter Tim Hoppe gesteht ein, dass die Vorbereitungen bei ihm "mit angezogener Handbremse" laufen. So kann er sich momentan nicht um das Personal für die Volksbefragung kümmern, da er erst einmal Wahlhelfer für die Landtagswahl Ende März suchen muss. Außerdem wartete Hoppe wochenlang vergeblich auf die Ergebnisse der Stichprobe vom Statistischen Landesamt. Die Vorbereitungen verliefen bisher nur "semi-professionell", sagt er. "Da gibt es noch einige Kinderkrankheiten."

In der Wittenberger Erhebungsstelle hingegen läuft alles planmäßig, auch Dessau-Roßlau und Salzwedel fühlen sich gut gerüstet. Anders sieht es in Gardelegen aus, denn dort wurde im Zuge der Gemeindegebietsreform die Verwaltung neu aufgestellt. Momentan seien die Mitarbeiter noch voll mit dieser Umstrukturierung beschäftigt, sagt Roswitha Blankau von der Zensusstelle.

Wenn es am 9. Mai losgeht, werden landesweit etwa 2500 Interviewer über mehrere Wochen an 254 000 Türen klingeln. "Wer befragt wird, darüber haben wir keinen Einfluss. Das wird nach einem mathematischen Zufallsprinzip ausgewählt. Wir bekommen dann nur die Anschriften", erläutert Blankau. Wer möchte, kann seine Angaben auch online machen.

Die Befragung ist anonym, aber es besteht eine Auskunftspflicht, erklärt der Landesdatenschutzbeauftragte Harald von Bose. Da es um sensible Daten gehe, müssten die Interviewer besonders sorgfältig ausgewählt werden. In Sachsen hatte die rechtsextreme NPD ihre Anhänger aufgefordert, sich als "Volkszähler" zu melden. Derartige Vorgänge sind laut von Bose in Sachsen-Anhalt bisher nicht bekannt. Und er sichert zu: "Wir werden das sorgfältig weiter begleiten."

Widerstände aus der Bevölkerung gibt bisher kaum. Dabei war die letzte große Volkszählung in Westdeutschland 1987 am Sturm der Entrüstung fast gescheitert. "Ich glaube, dass die Erhebungsbeamten nicht überall mit offenen Armen empfangen werden", befürchtet der Magdeburger Statistiker Hoppe. Die meisten Menschen hätten jetzt noch nicht realisiert, was auf sie zukomme. "Ich hoffe das Beste. Aber ich fürchte: Das wird nicht einfach."