Magdeburg. Mehr als 220 Magdeburger hatten am Dienstagabend im Hotel Maritim die Möglichkeit, bereits 40 Tage vor der Landtagswahl am 20. März ihre Wahl zu treffen. Der Presseclub Magdeburg hatte zu einer Podiumsdiskussion mit den drei aussichtsreichsten Anwärtern auf den Posten des Ministerpräsidenten eingeladen und Stimmzettel verteilt. "Wen würden Sie wählen, wenn heute Landtagswahl wäre?" 176 Besucher machten die Probeabstimmung mit.

Das Ergebnis verblüffte, denn es entsprach trotz der relativ kleinen Teilnehmerzahl fast der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des MDR. Von den Besuchern stimmten 35,09 Prozent für die CDU (32 Prozent bei Infratest), 26,9 Prozent für die Linke (28), 22,22 Prozent für die SPD (22), 7,02 Prozent für die Bündnisgrünen (8), 2,92 Prozent für die FDP (4), 5,26 Prozent waren noch unentschlossen, der Rest fiel auf "andere Parteien".

Ein solcher Wahlausgang am 20. März würde gleichzusetzen sein mit einer Weiterführung der großen Koalition von CDU und SPD. Das wurde auch in der Podiumsdiskussion an diesem Abend deutlich. Reiner Haseloff und Jens Bullerjahn, die Spitzenkandidaten von CDU und SPD, zeigten in ihren Antworten auf die Fragen von Moderator Jörg Kürschner so viele Übereinstimmungen, als ob die Weiterführung der Koalition schon beschlossene Sache sei. Wulf Gallert, der zu gern erster Ministerpräsident der Partei Die Linke sein möchte, hatte da wenig Chancen zu punkten.

Ein rot-rotes Bündnis käme vermutlich nur bei einem Wahlsieg der SPD infrage. Einen Regierungschef der Linken würden die Sozialdemokraten nicht akzeptieren. "Die Linke ist konzeptionell nicht in der Lage, das Land zu regieren", sagte Bullerjahn. Obwohl er bis zum 20. März "wie ein Löwe" kämpfen will, erweckte er den Anschein, als ob er sich weiter mit der Rolle als Juniorregierungschef zufriedengeben würde.

Haseloff sah sich an diesem Abend schon ganz als künftiger Landesvater, der bei den angesprochenen Themen Finanzen, Bildung, Verkehr und Verwaltungsreform Antworten gab, wie er mit dem jetzigen und künftigen Finanzminister Bullerjahn die Probleme des Landes lösen will.

Sachsen-Anhalt wird der Stempel vom "Kuschelwahlkampf" aufgedrückt. Die Podiumsdiskussion rückte davon nicht ab. Auch nicht, als Bullerjahn seinem Kontrahenten Gallert eine "ironisch arrogante Art" unterstellte und der der CDU ein übersteigertes Selbstbewusstsein und eine Überheblichkeit attestierte.